De Schepper
Die Geschichte der Geburt Jesu

Heute ist Heiligabend, der Tag der Erinnerung an die Geburt Jesu. Eine gute Zeit, wieder einmal nachzulesen, was in der Heiligen Schrift über ihn und seine Mutter Maria geschrieben steht.

Werner De Schepper
Werner De Schepper
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Die Geschichte der Geburt Jesu - in der Bibel wie im Koran.

Die Geschichte der Geburt Jesu - in der Bibel wie im Koran.

Keystone

«Gedenke in der Schrift der Maria! Damals, als sie sich vor ihren Angehörigen an einen östlichen Ort zurückzog! Da nahm sie sich einen Vorhang, um sich vor ihnen zu verbergen. Und wir sandten unseren Geist zu ihr. Der stellte sich ihr dar als ein wohlgestalteter Mensch. Sie sagte: ‹Ich suche beim Erbarmer Zuflucht vor dir. Weiche von mir, wenn du gottesfürchtig bist!› Er sagte: ‹Du brauchst keine Angst vor mir zu haben. Ich bin doch der Gesandte deines Herrn. Ich bin von ihm zu dir geschickt worden, um dir einen lauteren Jungen zu schenken.›

Maria sagte: ‹Wie sollte ich einen Jungen bekommen, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Hure bin?› Er sagte: ‹So ist es, wie dir verkündet wurde. Dein Herr sagt: Es fällt mir leicht, dies zu bewerkstelligen. Und wir schenken ihn dir, damit wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen, und weil wir den Menschen Barmherzigkeit erweisen wollen. Er ist eine beschlossene Sache.›

Da war Maria nun schwanger mit dem Knaben. Und sie zog sich mit dem Ungeborenen an einen fernen Ort zurück. Und die Wehen veranlassten sie, zum Stamm einer Palme zu gehen. Sie sagte: ‹Wäre ich doch vorher gestorben und ganz in Vergessenheit geraten!› Da rief der Neugeborene ihr von unten her zu: ‹Sei nicht traurig! Dein Herr hat zu deinen Füssen ein Rinnsal voll Wasser gemacht. Und schüttle den Stamm der Palme, indem du ihn an dich ziehst! Dann lässt sie saftige, frische Datteln auf dich herunterfallen. Und iss und trink und sei frohen Mutes!›

Dann kam Maria mit ihm zu ihren Leuten, indem sie ihn auf dem Arm trug. Sie sagten: ‹Maria! Da hast du etwas Unerhörtes begangen. Schwester Aarons! Dein Vater war doch kein schlechter Kerl und deine Mutter keine Hure.› Da wies Maria auf ihn. Sie sagten: ‹Wie sollen wir mit einem sprechen, der als kleiner Junge noch in der Wiege liegt?› Der Neugeborene sagte: ‹Ich bin der Diener Gottes. Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht. Und er hat gemacht, dass mir, wo immer ich bin, die Gabe des Segens verliehen ist. Und mir ist anbefohlen, das Gebet zu verrichten und Almosen zu geben, solange ich lebe, und gegenüber meiner Mutter ehrfurchtsvoll zu sein. Und Gott hat mich nicht gewalttätig und unselig gemacht. Heil sei über mir am Tag, da ich geboren wurde, am Tag, da ich sterbe, und am Tag, da ich wieder zum Leben auferweckt werde!› Solcher Art ist Jesus, der Sohn der Maria – um die Wahrheit zu sagen, über die, die immer noch im Zweifel sind.»

So steht es in der Heiligen Schrift geschrieben – in der Heiligen Schrift der Muslime. Wortwörtlich steht es so im Koran in Sure 19. Vieles kommt uns bekannt vor. Nur wird Jesus hier nicht draussen vor der Stadt in einer Krippe geboren, sondern draussen in der Wüste unter einer Palme. Wie in der Bibel unterstreicht auch im Koran die Geschichte der Geburt Jesu, dass Gott alle menschlichen Plausibilitäten durchbricht: Junge Frauen werden ohne Zutun eines Mannes schwanger; im toten, leeren Raum einer Wüste schafft Gott neues Leben; und ein neugeborenes Kind spricht kraftvoll und selbstbewusst wie ein erwachsener Mensch.

Wir feiern Weihnachten, die Geburt Jesu. Es ist für Muslime wie Christen ein Tag der Erinnerung an einen Gott des Lebens, der Unfruchtbares fruchtbar macht. Es ist die gemeinsame Erinnerung an den nicht gewalttätigen «Jesus, der Sohn der Maria», der «die Gabe des Segens» hat. Wer aus dem Koran ein Buch des Hasses macht, verhöhnt die Botschaft von Weihnachten. Ob Christ oder Muslim.

Werner De Schepper ist Kolumnist der «Nordwestschweiz».

werner.deschepper@azmedien.ch

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