De Schepper
Die neuen Demokraten

Seit drei Jahren fasziniert die dänische Top-Politikerin Birgitte Nyborg viele Menschen. Nyborg – geschieden und Mutter zweier Kinder im Schulalter – ist Präsidentin der «Neuen Demokraten» – einer Zentrumspartei, die eintritt für eine nachhaltige Politik fern aller Extreme.

Werner De Schepper
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Aargauer Zeitung

Nyborgs Partei fordert eine ökologische Steuerreform und ist ebenso gegen Steuererhöhungen wie Steuersenkungen. Die Partei wehrt sich dagegen, dass Minderjährige ab 14 Jahren ins Gefängnis geworfen werden, wie dies die «Boulevardpresse» fordert. Nyborg legt sich aus Prinzip nie mit der «Freiheitspartei» – einer populistischen «Anti-Einwanderungs»-Bewegung – ins Bett und stimmt im Parlament nie mit ihnen. Die «Neuen Demokraten» sind gesellschaftlich liberal und säkular.

Birgitte Nyborg ist der Star der dänischen Kult-Serie «Borgen», die in ganz Europa Politik-Interessierte zu TV-Süchtigen machte. Letzten Donnerstag lief auf Arte die letzte Episode. Überall in Europa haben Politologen die fiktiven Politik-Verhältnisse der TV-Serie in die Realität zu übertragen versucht. Mit demselben Fazit: Der Erfolg der Serie zeige eine starke Sehnsucht nach einer fortschrittlichen Zentrumspartei, die sich an den Grundwerten der Menschenrechte und der Nachhaltigkeit orientiert.

Wer aber kommt in der Schweiz Nyborg am nächsten? Unweigerlich denkt man zuerst an die Grünliberalen. Doch diese dürften sich für Nyborgs Empfinden schon zu oft mit der Schweizer «Anti-Einwanderungspartei» gemein gemacht haben. Zu sehr ähnelt GLP-Chef Martin Bäumle dem smarten und wertefreien Parteipräsidenten der «Moderaten» in der TV-Serie, von dem sich Nyborg losgesagt hat, um ihre eigene Partei zu gründen. Früher wäre Nyborg in der Schweiz vielleicht bei der FDP gelandet. Aber die ehemals aus der Mitte des Staates heraus agierende FDP will partout keine Partei der Mitte mehr sein. Anders die CVP: Sie will zwar eine Zentrumspartei sein, aber ihr ländlicher Präsident würde sich mit seiner Zustimmung zur konservativen Herdprämie sofort mit der urbanen Nyborg verkrachen. In der dänischen TV-Wirklichkeit koaliert Nyborg manchmal mit den Grünen. Auch in der Schweiz würde sich die sachliche Nyborg mit der gewissenhaften Regula Rytz, der einzigen Schweizer Parteipräsidentin aus einer Stadt, verstehen.

Aber noch mehr mit der BDP. Diese Partei ist zwar alles andere als urban, aber sie spricht wie die «Neuen Demokraten» alle an, die sich ausgewogene Politiker wünschen. So wie Nyborg durch die harten Kampagnen der «Freiheitspartei» zur Leitfigur der Anständigen wurde, ist auch Eveline Widmer-Schlumpf zum Inbegriff bürgerlicher Tugenden geworden. Widmer-Schlumpf ist die Nyborg der Schweiz. Im Fernsehen endet «Borgen» mit einem Wahlsieg der «Neuen Demokraten». Ich wette, dass auch bei der BDP in zwei Jahren die Korken knallen.

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