Terrorismus
Dschihadisten respektieren keine Neutralität

Bedeutet Neutralität, dass man anderen die Arbeit überlässt? Die Frage stellt sich, nachdem in Mali Schweizer Soldaten bei einem islamistischen Anschlag verletzt worden sind.

Stefan Brändle, Paris
Stefan Brändle, Paris
Drucken
Das Restaurant «La Terrasse» in Bamako (Mali): Hier eröffnete ein Mann das Feuer.
7 Bilder
Tatort: Das Restaurant La Terrasse
Blut am Boden des Restaurants
Polizisten kommen am Tatort an
Polizei vor Ort
Attentat auf Restaurant in der Hauptstadt von Mali - zwei Schweizer verletzt

Das Restaurant «La Terrasse» in Bamako (Mali): Hier eröffnete ein Mann das Feuer.

Keystone

Und Rufe laut werden, solche Auslandeinsätze seien abzublasen. Wer das verlangt, verkennt, wie global die Gefahr ist. Dschihad-Terroristen wüten heute von Westafrika bis Zentralasien und richten in westlichen Hauptstädten Blutbäder an. Auch die Schweiz ist eine mögliche Zielscheibe.

In Mali beklagt sich Frankreich mehr und mehr, dass es seine Militäreinsätze allein durchführen muss – und einen hohen Preis an (zwölf) getöteten Soldaten und Einsatzkosten (nahezu eine Milliarde Euro) zahle. Die übrigen Europäer und die Amerikaner halten sich elegant heraus. Obwohl Al-Kaida-Ableger oder Boko Haram Westafrika in eine neue Bastion auch für «Einsätze» bis nach Europa verwandeln wollen.

Man stelle sich vor, die Franzosen wären 2013 nicht in Nordmali eingeschritten, um den Gottesstaat aufzulösen. Wenn Mali als Ganzes gefallen wäre – und das faktisch armeelose Land war nicht weit davon entfernt –, hätte sich der Dschihad wie eine Metastase über die Sahelzone ausgebreitet. Schon heute ginge von dort eine grössere Gefahr für Europa aus als von Syrien oder Nordirak.

Und dabei sollen wir abseitsstehen? Uns auf humanitäre Missionen beschränken, die uns wohl weniger kosten, aber noch keinen einzigen Gotteskrieger aufgehalten haben? Die gute Tradition der Schweizer Neutralität ist in diesem Fall kein Schutzschild. Und auch kein Argument mehr: Die Islamisten verkörpern keine Regierung, keine offizielle Armee. Sie agieren mit Terroranschlägen im Inneren der Staaten; ja sie stammen sogar aus ihrem Innern – wie etwa die französischen «Charlie»-Attentäter von Paris.

Auslandeinsätze von Schweizer Soldaten sind genau zu überlegen und zu definieren. Aber eines sollte mittlerweile klar sein: Die irren Gotteskrieger und Terroristen respektieren nichts – also auch nicht die Schweizer Neutralität.

Aktuelle Nachrichten