Kommentar
Die Rücklagen der Krankenkassen sind nichts anderes als zu viel bezahlte Prämien und sollten zurück an den Versicherten

Die Reserven der Krankenkassen haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Bund und Parlament wollen sie aber nicht zwingen, diese abzubauen. Sie sollten den Krankenkassen aber mehr Flexibilität bei der Prämiengestaltung zugestehen.

Roman Schenkel
Roman Schenkel
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Es ist der eiserne Notvorrat für Unvorhergesehenes: die Reserven der Krankenkassen. Früher waren sie oft zu knapp, heute horten die Kassen mehr als doppelt so viel wie gesetzlich vorgeschrieben. In den vergangenen zehn Jahren sind die Reserven aller Krankenversicherer von 3,1 auf über 11,3 Milliarden Franken angeschwollen. Ein Geldberg, der Begehrlichkeiten weckt. Kantone und Spitäler haben sich bereits in Stellung gebracht.

Bund und Parlament wollen die Kassen aber nicht zwingen, die Reserven abzubauen – vielmehr soll der Abbau freiwillig geschehen. Ob das der rich­tige Weg ist? Bis jetzt bezahlen nur vereinzelt Krankenkassen Geld an die Versicherten zurück. Sie müssen dafür gar ein Gesuch beim Bund stellen. Dabei sind die zu hohen Rücklagen nichts anderes als zu viel bezahlte Prämien. Sie müssten eigentlich direkt den Versicherten zugutekommen.

Mit der Coronapandemie ist ein unvorhergesehenes Ereignis, das die hohen Reserven rechtfertigen sollte, tatsächlich eingetreten. Eingebrochen sind sie nicht. Im Gegenteil: Sie dürften künftig weiter steigen. Denn die Kassen müssen ihren Versicherten laut Gesetz Prämien anbieten, die kostendeckend sind.

Der Bund sollte daher den Kassen mehr Flexibilität bei der Prämiengestaltung zugestehen. Kassen mit üppigen Reserven sollten bei gutem Geschäftsgang Prämien anbieten dürfen, welche die Kosten nicht vollständig decken. So würde der Reserveberg automatisch abgebaut.

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