KOMMENTAR
Gescheiterte Militärdeals: Frankreichs Frust trifft die Schweiz stärker als Australien

Paris hadert mit seinen Nato-Partnern, aber auch mit der Schweiz. Das könnte für Bern in den kommenden Monaten im Verhältnis zur EU unangenehme Konsequenzen haben.

Stefan Schmid
Stefan Schmid
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Keine Freude an der Schweiz: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Keine Freude an der Schweiz: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

Ian Langsdon / EPA

Das eine hat mit dem anderen direkt nichts zu tun. Und doch sind die Parallelen augenfällig: Um den Chinesen Paroli zu bieten, kauft Australien amerikanische Atom- statt französische Diesel-U-Boote. Paris fühlt sich über den Tisch gezogen, man war schliesslich selber mit den Australiern im Geschäft. Gross ist daher der Ärger über die aus französischer Sicht ruchlosen Nato-Partner USA und Grossbritannien, die hinter dem Australien-Deal stehen.

So verständlich Frankreichs Verbitterung ist, so nachvollziehbar ist die strategische Entscheidung der Australier. Sie wollen im sich anbahnenden Ringen der Weltmächte auf der Seite der USA stehen. Frankreich ist ihnen auf der grossen Weltbühne eine Nummer zu klein.

Gleichzeitig ärgert sich Paris über den Schweizer Nachbarn, der sich anschickt, US-Kampfjets statt französische Flieger zu kaufen. Auch hier moniert Paris ein undurchsichtiges Verfahren. Und analog zu Australien argumentiert die Schweiz mit der höheren Qualität des US-Produkts. Präsident Macron verzichtet deshalb darauf, Bundespräsident Parmelin zu empfangen.

Im Unterschied zu den weit entfernten Australiern trifft die Schweiz der Frust der Franzosen viel unmittelbarer. Der Bundesrat hat den Europäern beim Rahmenabkommen wie bei den Jets die kalte Schulter gezeigt. Das kann man machen. Aber er wird dafür einen Preis zu bezahlen haben.

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