Kommentar
Impfoffensive des Bundesrats: Die Kantone wirken ratlos

Der Bund spricht abermals viel Geld für eine Impfoffensive. Für ihn scheint noch Hoffnung zu bestehen, dass eine weitere Million Ungeimpfte sich mit gutem Zureden überzeugen lassen. Die Kantone wissen langsam nicht mehr weiter: Sie wirken überfordert.

Odilia Hiller
Odilia Hiller
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Impression aus dem Impfzentrum im St.Galler Westcenter.

Impression aus dem Impfzentrum im St.Galler Westcenter.

Bild: Benjamin Manser (St.Gallen, 27. September 2021)


Die Mehrheit der Schweizer Kantonsregierungen versinkt dieser Tage in tiefes Grübeln. Zwar erhalten sie vom Bundesrat fast 100 Millionen Franken für eine Impfoffensive.

Doch viele, gerade ländliche Kantone wissen nicht recht, was damit anzufangen ist. Mobile Impfteams ziehen bereits heute landauf, landab. Oft genug bleibt das medizinisch geschulte Personal auf den Impfdosen sitzen.

Purzelbäume schlagen und das hohe C singen

«Wir tun alles, was wir können», sagt mehr als nur ein Gesundheitsdirektor. Mancherorts könnten die Impftrupps auf dem Dorfplatz Purzelbäume schlagen und das hohe C singen, es kämen nicht mehr Willige.

Der Bundesrat scheint dennoch zu hoffen, dass die Macht der Wiederholung zum Ziel führt. Vielleicht lassen sich manche tatsächlich erst impfen, wenn der Impfbus zum fünften Mal da steht. Es ist zu hoffen.

Die Konsternation der Geimpften wächst

Mit wachsender Konsternation schaut die geimpfte Mehrheit inzwischen auf die Nachbarländer, wo markant höhere Bevölkerungsanteile geimpft sind und das Ende der Pandemie in Griffweite rückt. Die NZZ bezeichnete den Schweizer Weg vor kurzem als Wohlstandspandemie. Zu Recht.

Der Impfstoff steht im Überfluss bereit. Und doch kann man es sich leisten, Nein zu sagen. Im Zweifelsfall stehen sicher ein Intensivbett sowie nette Pflegende bereit. Echter Mangel und Notstand sind den meisten von uns fremd. Es scheint völlig auszureichen, wenn man nur für sich schaut.

Verwöhnte Kinder verhalten sich ähnlich. Hat ihr Verhalten schliesslich Konsequenzen, geben sie gerne allen anderen die Schuld.

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