Kommentar
Raus aus dem Homeoffice, volle Fussballstadien: Lockerungen des Bundesrates sind mutig und richtig

Jetzt fallen sogar mehr Corona-Einschränkungen weg als erwartet: Der Bundesrat überrascht mit seinen neusten Lockerungsentscheiden und verdient Lob. Allerdings hapert es unverständlicherweise noch an einem wichtigen Punkt: Bei der Anerkennung des Covid-Zertifikat durch die EU steckt die Schweiz fest.

Jérôme Martinu
Jérôme Martinu
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Gleich wird er die nächsten Lockerungsschritte öffentlich machen: Bundesrat Alain Berset (SP) auf dem Weg zur Medienkonferenz.

Gleich wird er die nächsten Lockerungsschritte öffentlich machen: Bundesrat Alain Berset (SP) auf dem Weg zur Medienkonferenz.

Bild: Anthony Anex/ KEY, Bern, 23. Juni 2021

Die Lockerungen gehen weiter als erwartet. So ist schon ab Samstag Schluss mit Homeoffice-Pflicht. In den Restaurants sind drinnen wieder grosse Tischrunden möglich. Die Maske fällt gar beim gemeinsamen Sport in Fitnesscentern. Und mit Covid-Zertifikat können selbst Grossanlässe mit mehr als 10 000 Personen wieder stattfinden – zum Beispiel in Fussballstadien. Der Bundesrat überrascht mit seinen Entscheiden. Denn in den letzten Monaten bevorzugte er meist defensive Varianten, stellte sich so dem Pressing diverser Meinungsmacher entgegen und wurde dadurch – nicht nur zu Unrecht – auch scharf kritisiert. Der Lockerungsentscheid vom Mittwoch ist von daher mutig. Und richtig!

Was ermöglicht die wiedergewonnenen Freiheiten? Die epidemiologische Lage hat sich sehr günstig entwickelt und ist stabil. Dies hat auch mit dem zuverlässigen Impffortschritt zu tun. Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung ist jetzt mindestens ein Mal geimpft. Dennoch ist die Pandemie nicht ausgestanden. Virus-Mutationen sind unberechenbar und die Schweiz ist bekanntlich keine Insel. Die Lage bleibt fragil, wie etwa die Ausbrüche in Lissabon und Moskau zeigen.

Trotz neusten Normalisierungsschritten: Der Bundesrat hat auch einen Tolggen im Reinheft. Die gegenseitige Anerkennung des Covid-Zertifikats zwischen der Schweiz und der EU steckt in der Vorbereitung fest. Das ist unverständlich, zumal in wenigen Tagen die Ferienzeit beginnt.