Analyse
Möge Papst Franziskus Versöhnung bringen

Am Mittwoch bricht Papst Franziskus zu seiner sechstägigen Afrika-Tour auf. Auf dem Programm stehen Kenia, Uganda und die Zentralafrikanische Republik. In allen drei Ländern bröckeln die Stabilität und der Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Markus Schönherr
Markus Schönherr
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Papst Franziskus.

Papst Franziskus.

reuters

Katholiken, aber auch Muslime und Nichtgläubige, hoffen auf mahnende Worte des Kirchenführers, der in der Region grossen Einfluss besitzt. «Unsere Gesellschaft steht unzähligen Problemen gegenüber. Obwohl der Papst nicht die Antwort auf all diese Probleme hat, bringt er zumindest die Botschaft der Hoffnung».

Mit dieser Analyse spricht die Tageszeitung «Daily Nation» 44 Millionen Kenianern aus der Seele. Das ostafrikanische Land ist die erste Station auf Franziskus’ Afrika-Reise. Mehr als 1,4 Millionen Pilger werden bei einem Massengottesdienst an der Universität Nairobi erwartet.

Ethnie mischt in Kenias Politik unterschwellig bis heute mit

In dem Land, das in den vergangenen Jahren immer wieder Schauplatz ethnischer Konflikte wurde, verschärfte sich die Rhetorik in den letzten Monaten wieder. 2007 war es nach umstrittenen Wahlen zu heftigen Kämpfen zwischen der Kikuyu- und der Luo-Ethnie gekommen.

Bei den blutigen Gemetzeln waren mehr als 1100 Menschen ums Leben gekommen, 600 000 mussten fliehen. Unterschwellig mischt Ethnie in Kenias Politik bis heute mit. Ein jüngeres Ziel von Übergriffen sind vor allem die in Kenia lebenden Somalier, die vor dem Bürgerkrieg und der Terrorgruppe al-Shaabab flohen. 350 000 von ihnen leben heute in Kenias Dadaab-Camp, dem grössten Flüchtlingslager der Welt.

Auch Kenia selbst suchte der Terror heim. Im April massakrierte die al-Shaabab 148 Studenten an der Universität von Garissa. Zwei Jahre zuvor waren beim Anschlag auf das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi 67 Menschen gestorben.

Ethnische Somalis geraten immer wieder unter Generalverdacht. Am zweiten Tag seiner Reise trifft Papst Franziskus auf islamische und andere religiöse Vertreter. Dabei ist die Hoffnung gross, dass Franziskus die Versöhnung zwischen Ethnien und Konfessionen vorantreibt.

Auf einen politischen Papst hoffen vor allem die Ugander. Im Februar sollen sie einen neuen Präsidenten wählen. In Uganda bedeutet dies brisante Zeiten: Denn anders als Kenia hat Uganda keine demokratische Tradition.

Präsident Yoweri Museveni kam 1986 durch einen Putsch an die Macht und regiert im jüngsten Drittel seiner Amtszeit zunehmend autoritär. Kritik duldet sein Regime nicht. Die Organisation «Human Rights Watch» (HRW) prangerte vor kurzem die exzessive Polizeigewalt gegen Aktivisten sowie die Unterdrückung von Opposition und Medien an. Wiederholt lösten die Sicherheitskräfte Kundgebungen der Opposition mit Tränengas auf. Dies habe die Ugander freier und fairer Wahlen beraubt, kommentiert Maria Burnett, Afrika-Sprecherin bei HRW.

Engagiert sich der Papst in Uganda für Homosexuelle?

Auch um das heikle Thema Homosexualität kommt in Uganda niemand herum, der Menschenrechte propagiert. Der ostafrikanische Staat geht mit drakonischen Sanktionen gegen seine homosexuellen Bürger vor. 2009 wollte eine Gruppe von Parlamentariern die Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Paare durchsetzen.

Ihr Entwurf wurde zwar abgelehnt. Stattdessen droht Schwulen und Lesben jetzt lebenslange Haft. Bei seinem Besuch im vergangenen Sommer in Paraguay hatte Franziskus erstmalig einen Homosexuellen-Aktivisten zu einem Treffen eingeladen. Ungewiss bleibt, ob er ein ähnliches Engagement in Uganda plant.

Eine diplomatische Herkulesaufgabe erwartet Papst Franziskus in der Zentralafrikanischen Republik: Seit einem Putsch 2013 durch islamische Rebellen und dem Rückschlag christlicher Milizen steht das Land am Abgrund.

Zwar konnte die Übergangsregierung unter Catherine Samba-Panza einen Funken Stabilität zurückbringen. Doch es fehlt an einer funktionierenden Armee und einem Versöhnungsprozess.

Erst kürzlich flammte der Konflikt zwischen Christen und Muslimen neu auf; mindestens 90 Menschen kamen seit September ums Leben. Bis zuletzt blieb unklar, ob Franziskus den Flug nach Bangui angesichts der fragilen Sicherheitslage überhaupt antritt.

Viele Beobachter erwarten immer noch einen Express-Gottesdienst am Flughafen und eine schnelle Rückkehr. Der Pontifex rechnet nämlich fest mit dem Besuch. Doch das letzte Wort hat der vatikanische Sicherheitsdienst.

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