Fahrländer
Parteien, die kamen und gingen

Die Autopartei Aargau feiert den 30. Geburtstag. Bitte wer? Doch, es gibt sie noch. Sie trägt jetzt einen trendigen Namen: «auto-partei.ch».

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Eine Sprayerei zum Benzin-Zoll von Fans der Autopartei mit dem Text: «Benzin Fr. 3.-? Autofahrer halten zusammen. Darum jetzt AUTOPARTEI!» Das Bild wurde aufgenommen im April 1993.

Eine Sprayerei zum Benzin-Zoll von Fans der Autopartei mit dem Text: «Benzin Fr. 3.-? Autofahrer halten zusammen. Darum jetzt AUTOPARTEI!» Das Bild wurde aufgenommen im April 1993.

Keystone

Wikipedia weiss indessen: «Nach Erfolgen in ihrer Anfangszeit ist sie heute bedeutungslos.» Die Autopartei selber sieht das anders. Ebenfalls im Netz lesen wir: «Machen Sie nicht länger die Faust im Sack. Wehren Sie sich mit uns gegen die links-grünen Ideologen in Bundesrat und Parlament!»

Etwas irritierend: Die Autopartei heisst seit 1994 eigentlich «Freiheitspartei». Ein doppeltes Phantom sozusagen hat Geburtstag.

Uns interessiert in diesem Kontext etwas anderes. Es sind die «vorübergehenden» Parteien in der Aargauer Politik. Es gibt nur fünf, die seit Jahrzehnten ohne Unterbruch im Parlament vertreten sind: FDP, SP, CVP (früher KK) SVP (früher BGB) und EVP.

Doch die historische Liste «Parteien im Grossen Rat» ist wesentlich länger, sie umfasst annähernd 20 Namen. Parteien kamen und gingen, teils vom politischen Wind verweht, teils durch ein Quorum verdrängt. Heute sitzen neben den erwähnten fünf noch vier im Rat: Grüne (seit 1985), GLP und BDP (seit 2009) sowie EDU.

Doch wer erinnert sich noch an die «Jungbauernbewegung»? Oder an das «Team 67»? Frischer ist die Erinnerung an den Landesring der Unabhängigen des Migros-Gründers Duttweiler, er schaffte es bis knapp ins 21. Jahrhundert.

Die Sozial-liberale Bewegung gibt es ausserhalb des Parlaments heute noch. Oder dann jene mit den mehreren Leben: Republikanische Bewegung, dann Nationale Aktion, dann Schweizer Demokraten. Oder eben die Auto-Freiheits-Partei.

Bewegt sich eine Partei abseits der grossen Strömungen Konservativismus, Liberalismus und Sozialismus, braucht sie ein sehr gutes Programm, um längerfristig zu überleben.

Sie muss starke Köpfe haben, darf nicht nur ein Thema beackern, muss die grossen Sorgen der Menschen, abseits modischer Aufgeregtheit, kennen und ansprechen.

Als einzige der jüngeren Parteien schaffen das seit immerhin 30 Jahren die Grünen. Demnächst – 2015 auf nationaler, 2016 auf kantonaler Ebene – folgt der Test für Grünliberale und BDP. Braucht es sie? Sind sie originär oder auswechselbar? Wir sind gespannt.

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