Apropos
Saufen mit Respekt

Florian Kohler, der CEO von Swiss Ice Hockey, lanciert mit dem Verband das Hockey-Bier «Together». In einer Zeit, in der dem Eishockey die Rock’n’Roller fehlen, kommt das gerade recht. Ein Kommentar.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Eishockey und Bier: Das gehört einfach zusammen.

Eishockey und Bier: Das gehört einfach zusammen.

Keystone

Ach, es schien, als gehe die Zeit der Rock’n’Roller in unserem Hockey zu Ende. Wo sind all die Schluckspechte geblieben? An Zugs meisterlichen Billy McDougall erinnert sich ja kaum mehr einer. Und Todd Elik, der wildeste von allen, ist Trainer in der 1. Liga hinter den sieben Jurabergen in St. Imier. Das waren noch Zeiten, als Marcel Jenni und Reto von Arx wegen Nachtschwärmerei und Bierkonsum von den Olympischen Spielen 2002 heimgeschickt wurden.

Gott sei Dank haben wir einen dynamischen Verband-Direktor. Florian Kohler weiss, wie sehr die Kultur des Rock’n’Rolls zu unserem Hockey gehört. Und so setzt er eine brillante Idee um. Zusammen mit einem Bierbrauer lanciert der Verband hoch offiziell das Hockey-Bier «Together». Das ist doch viel cooler als einfach «cool & clean» wie es einst der gleiche Verband mit aufwändigen PR-Aktionen Spielern und Fans beizubringen versuchte und wie es heute noch der Dachverband «Swiss Olympic» tut.

Was wäre Eishockey ohne Alkohol? Eine trockene Angelegenheit. Also. Einst, als die Verbandsvorsitzenden für Enthaltsamkeit und Langeweile standen, liessen sie für viel Geld T-Shirts und Plakate mit der Botschaft «Respect my game» produzieren. Jetzt lässt der der gleiche Verband auf die Dose seines Verbandsbiers drucken «Drink with respect.» Also salopp übersetzt: «Saufen mit Respekt.» Das tönt wahrlich trendiger als «cool & clean».

Die ganze Schnapsidee mit der Bier-Aktion ist auch ganz im Sinne der Klubs. Heute wird ein Alkoholverbot in Stadien diskutiert. Das wäre schlecht fürs Geschäft. Jetzt, wo der Verband den Alkoholkonsum aktiv fördert, ist dieses Verbot wohl obsolet. Florian Kohler, der tüchtige Verbandsdirektor sagt, es eine Win-Win-Situation, wenn jeder Fan mit dem Kauf einer Bierdose etwas für den Eishockeysport tun könne. Dieses frivole Treiben finden allerdings nicht alle lustig.

Kohler sagt zwar, Swiss Olympic sei immer über seine Bier-Pläne im Bild gewesen. In einer offiziellen Stellungnahme rügt Swiss Olympic allerdings den umtriebigen Verbandsdirektor: «Dass diese Aktion nicht im Sinne des Jugendpräventionsprogramms ‹cool & clean› ist, versteht sich von selbst.» Man erachte die Lancierung eines Eishockey-Biers als problematisch, greife aber nicht in die Autonomie der Verbände ein. Das ist gut zu hören. Denn von Florian Kohler erwarten wir weitere Kreationen. Wie wäre es denn mit einem «Verbands-Joint»? Nach dem Motto «Smoke with respect.»

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