Per Autostopp um die Welt (108)
Schweizer Mittfünfziger gegen Strom: «Vielleicht mache ich nach der Reise nochmals eine Lehre»

In Woche 108 auf seiner Reise um die Welt reist Thomas Schlittler mit seiner Freundin von von Uyuni (Bolivien) nach Humahuaca (Argentinien).

Thomas Schlittler
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Erika und Res sind seit 15 Monaten mit ihrem Peugeot J7 Bus unterwegs durch Nord-, Mittel- und Südamerika.
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Schweizer-Treffen in der bolivianischen Wüste_Res (l.) und Erika (z.v.r.) wissen noch nicht, was sie nach ihrer Rückkehr in die Schweiz machen.
Wer mehr über die Reise von Res und Erika erfahren will, findet ihren Blog hier panam.blogspot.ch.

Erika und Res sind seit 15 Monaten mit ihrem Peugeot J7 Bus unterwegs durch Nord-, Mittel- und Südamerika.

Thomas Schlittler

Nach drei Tagen in der bitterkalten, aber wunderschönen Uyuni-Salzwüste parkiert unser Tour-Guide hinter einem in die Jahre gekommenen, kleinen blauen Campingbus. Schon der Oldtimer alleine, ein Peugeot J7, ist einen zweiten Blick wert. Doch es ist das Nummernschild, das meine Freundin Lea und mich neugierig macht: «TG» steht da. Und die Halterung stammt von der «Garage Germann Frauenfeld».

Wir machten diese Woche eine 3-Tages-Tour in die Uyuni-Salzwüste.
24 Bilder
Der Salar de Uyuni ist mit mehr als 10'000 Quadratkilometern, rund ein Viertel der Schweiz, die grösste Salzpfanne der Welt.
Die Salzwste eignet sich hervorragend dafür, ein paar alberne Bilder zu schiessen.
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Doch nicht nur die Salzwüste ist wunderschön, der gesamte Sdwesten Boliviens hat es in sich.
Hier gibt es Vulkane zu bestaunen.
Tiefe Schluchten.
Es gibt schneebedeckte Berge.
Es gibt schneebedeckte Berge mit Lagunen davor.
Und es gibt schneebedeckte Berge mit Lagunen und Vögeln davor.
Auch Flamingos sind hier zu finden.
Und auch sie sonnen sich in Lagunen vor schneebedeckten Bergen.
Traumhaft schön.
Zudem gibt es hier auch rote Lagunen.
Hier leben nicht nur Flamingos, sondern auch Adler.
Und die hasenähnlichen Viscachas.
Die Lamas haben zwar alle einen Besitzer, sie können sich deshalb aber nicht weniger frei bewegen.
Nach der 3-Tages-Tour müssen wir am Stadtrand von Uyuni fast fünf Stunden warten, bis uns jemand mitnimmt - neben einem Gefängnis.
Von Uyuni nach Atocha_Unser Retter heisst Bernardo. Dem Tourguide gehen die Touris noch nicht auf die Nerven. Er nimmt uns mit, nachdem er gerade ein russisches Pärchen am Flughafen abgesetzt hat.
Von Atocha nach Tupiza_Weiter geht es auf der Ladefläche eines Kleinlastwagens. Die Besitzer machen beinahe ein richtiges Bett für uns.
Von Tupiza nach Villazon (Grenze Bolivien-Argentinien)_Auch an die Grenze fahren wir mit einem Lastwagen.
Erneut haben wir es sehr bequem. Und dieses Mal sogar Aussicht. Zudem sind wir schneller als der Zug.
Von Villazon (Grenze Bolivien-Argentinien) nach Humahuaca_Unser erster Fahrer in Argentinien heisst Jesus. Er steht auf Musik aus den 90ern_Backstreet Boys, Blink 182 und Madonna.

Wir machten diese Woche eine 3-Tages-Tour in die Uyuni-Salzwüste.

Thomas Schlittler

Es ist eine Sache, zu einer Weltreise aufzubrechen, wenn man Mitte zwanzig ist, keine Kinder hat und beruflich noch alle Türen offen stehen. Wenn man aber wie Erika und Res über fünfzig ist und drei Kinder, ein Haus sowie ein eigenes Geschäft hat, braucht es für einen solchen Schritt deutlich mehr Mut. Doch die beiden haben sich von all dem nicht abschrecken lassen. Res: «Diese Reise war seit vielen Jahren ein Traum, den wir uns unbedingt erfüllen wollten.»
Ihre Unternehmungsberatungsfirma haben sie deshalb liquidiert. Ihr Haus in der Nähe von Frauenfeld haben sie vermietet. Und die drei erwachsenen Töchter, die Jüngste ist 24 Jahre alt, müssen seit 15 Monaten ohne Eltern auskommen. Erika: «Die Mädels sind auch schon viel herumgekommen und haben uns gesagt: jetzt seid ihr dran.»
Es ist offensichtlich, dass Res und Erika ihren Trip nach wie vor geniessen. Sie wirken nicht reisemüde oder abgelöscht. Den ungebetenen Vortrag eines Künstlers, der selbstgemalte Postkarten verkaufen will, ertragen sie genauso geduldig wie den Bettler, der uns um Almosen bittet. Und als Res auf Spanisch ein kleines Mädchen fragt, ob sie ein Foto von uns vier machen kann, tut er das so liebevoll, dass die Kleine gerne kurz ihr Springseil weglegt.
Doch auch die Reise von Erika und Res kann nicht ewig dauern. Ende Juli müssen sie in Uruguay sein, um ihren Bus auf ein Schiff Richtung Hamburg zu verladen. Was sie machen, wenn sie wieder in der Schweiz sind, wissen sie noch nicht. Das eigene Geschäft wieder aufzumachen, ist keine Option. Einen attraktiven Job zu finden, halten die beiden aber ebenfalls für schwierig. Res ist gelernter Mechaniker und Erika hat vor der Reise im Familiengeschäft gearbeitet sowie als Unterrichtsassistentin in einer heilpädagogischen Schule. Die beiden sind sich einig: «Wenn du über fünfzig bist, stellt dich heute kaum jemand ein. Es sei denn, du hast Vitamin B.»
Die Aussage kommt nicht als Klagelied daher. Vielmehr wirkt es so, als ob es die beiden spannend fänden, dass sie nach der Rückkehr praktisch nochmals bei null anfangen können. Res: «Auf so einer Reise macht man sich schon sehr viele Gedanken darüber, wie man sein Leben zu Hause gestalten will.» Es ist klar: Die beiden wollen die zehn Jahre bis zur Pensionierung mit einer Arbeit zu verbringen, die ihnen Spass macht. Um das sicherzustellen, schliesst Res auch unkonventionelle Wege nicht aus: «Vielleicht mache ich nach der Reise nochmals eine Lehre.»
Ich bin beeindruckt von dieser flexiblen Lebenseinstellung und denke mir: Das Alter ist eben doch nur eine Zahl.

Das sind die Bilder aus der vergangenen Woche 107(von Cusco, Peru nach Uyuni, Bolivien):

Unsere Woche beginnt in der Stadt Cusco im peruanischen Andenhochland
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Der Plaza de Armas in Cusco beeindruckt mit seinen Kolonialbautenn
Über der Stadt thront dagegen die frühere Inkafestung Sacsayhuaman
Noch schöner als Cusco ist jedoch das nahegelegene Valle Sagrado, das Heilige Tal der Inka...
Ein Höhepunkt des Valle Sagrado sind die spektakulären Salzterrassen von Maras
Wir finden die Salzterrassen in erster Linie wunderschön
Für die Einheimischen sind die Salzterrassen aber ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitsort
Durch die Verdunstung in der Sonne wird hier Salz gewonnen – und von Hand abtransportiert
Das Valle Sagrado ist hauptsächlich aber natürlich bekannt für seine unzähligen Inka-Ruinen. Zum Beispiel die Anlage Moray, die aus mehreren Terrassen besteht
Moray diente den Inka möglicherweise als Agrarversuchsfeld. Bis vor 50 Jahren wurden auf dem Gelände Kartoffeln und Gerste angebaut.
Und die Ruinen von Ollantaytambo gelten als Musterbeispiel für die Stadtplanung aus der Inka-Zeit
Der Höhepunkt unseres Abstechers in die Welt der Inkas ist aber natürlich die weltbekannte Ruinenstadt Machu Picchu
Wir stehen sehr früh auf. Als Belohnung können wir die wohl bekannteste Ruinenstadt der Welt einigermassen ungestört betrachten
Die Inkas erbauten Machu Picchu im 15. Jahrhundert in 2430 Metern Höhe
Die Forschung geht heute davon aus, dass die Stadt in ihrer Hochblüte bis zu 1000 Menschen beherbergen und versorgen konnte
Beeindruckend ist nicht nur die exakte Baukunst der Inkas
Sondern vor allem auch die Lage von Machu Picchu – inmitten von Bergen
Kein Wunder, dass durchschnittlich über 2000 Personen pro Tag die sagenumwobene Inkastadt besuchen

Unsere Woche beginnt in der Stadt Cusco im peruanischen Andenhochland

Thomas Schlittler

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