Kommentar
Tempo ist beim Impfen nicht alles

Die Heilmittelbehörde Swissmedic musste harte Kritik einstecken, weil sie den Impfstoff von Astrazeneca noch immer nicht zugelassen hat. Nun zeigt sich: Swissmedic hatte offenbar ihre Gründe, Faktoren wie Sicherheit und Vertrauen ein grosses Gewicht beizumessen.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Nachdem mehrere Länder die Impfungen mit dem Vakzin Astrazeneca ausgesetzt haben, wird die zögerliche Haltung von Swissmedic auf einmal nachvollziehbar.

Nachdem mehrere Länder die Impfungen mit dem Vakzin Astrazeneca ausgesetzt haben, wird die zögerliche Haltung von Swissmedic auf einmal nachvollziehbar.

Keystone

Die Heilmittelbehörde Swissmedic musste harte Kritik einstecken, weil sie den Impfstoff von Astrazeneca noch immer nicht zugelassen hat. Politiker und Medien – auch diese Zeitung – forderten, das Mittel endlich freizugeben, da es in verschiedenen Ländern, insbesondere Grossbritannien, bereits erfolgreich verabreicht wurde. Warum also noch auf eine Studie aus den USA warten?

Doch nun wird die zögerliche Haltung von Swissmedic auf einmal nachvollziehbar. Dänemark, Deutschland, Frankreich und andere Staaten haben in den vergangenen Tagen Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca ausgesetzt. Grund dafür sind mehrere Fälle von Thrombosen der Hirnvenen, die im Zusammenhang mit Impfungen stehen könnten.

Der Konjunktiv ist wichtig. Die gemeldeten Nebenwirkungen sind äusserst selten, und man weiss nicht, ob sie auf die Impfung zurückzuführen sind. Aber der Schaden ist angerichtet. In Deutschland wurden Impftermine abgesagt, der Fahrplan kann kaum mehr eingehalten werden.

Zweifellos bleibt das Tempo beim Impfen ein entscheidender Faktor. Je früher die Menschen immunisiert sind, umso weniger Todesfälle gibt es, umso mehr wird das Gesundheitspersonal entlastet, umso eher sind Lockerungen möglich. Aber: Tempo ist nicht alles. Genauso zählen Sicherheit und Vertrauen. Swissmedic hatte offenbar ihre Gründe, diesen Faktoren ein grosses Gewicht beizumessen.