Mein Leben im Dreiland
Vergesst alle anderen: am Oberrhein ist Basel eine Metropole

Manchmal höre ich Kollegen, Bekannte und Freunde spotten über das kleine, provinzielle Basel. Bezeichnenderweise kommen diese Kritiker in der Regel von hier. Am Oberrhein wird die Stadt am Rheinknie ganz anders wahrgenommen.

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Blick auf den Roche-Turm in Basel (Archiv)

Blick auf den Roche-Turm in Basel (Archiv)

Wo ist die Provinz?

Ich bin viel am Oberrhein unterwegs und dort habe ich spottende Stimmen über Basel noch nie gehört. Ich würde sogar sagen, dass Basel am Oberrhein unter allen grösseren Städten am stärksten als Metropole wahrgenommen wird. Karlsruhe, Strassburg, Freiburg und erst recht Colmar und Mulhouse können der Hauptstadt der Nordwestschweiz das Wasser bei weitem nicht reichen und das liegt nicht nur daran, dass Basel direkt am Rhein liegt, in dem sich zum Erstaunen vieler Besucher im Sommer die Massen erfrischen.

Fachwerkhausromantik

Ich habe zwei, drei Jahre in Strassburg gewohnt, in Freiburg studiert, in Mulhouse fast zehn Jahre als Korrespondent gearbeitet und kenne auch Colmar und Karlsruhe durch etliche Besuche gut. Alle genannten Städte haben ihre mehr oder minder provinziellen Seiten. Am schlimmsten erlebe ich das in der Touristenhochburg Colmar, deren Fachwerkhausromantik ich schon nach kurzer Zeit entfliehen muss. Wollen wir hoffen, dass der Erweiterungsbau des Unterlindenmuseums, den die Basler Stararchitekten Herzog & de Meuron derzeit erstellen, etwas Modernität in das Städtchen bringt.

Armes Mulhouse

Von Mulhouse gar nicht zu reden. Jahrelang habe ich die ehemalige Industriestadt, die sich als hässliches Entlein der elsässischen Städte empfindet, gegen seine Kritiker verteidigt. Als ich mich vor vielen Jahren 1988 an meinem ersten Samstagabend auf der Suche nach dem Saturday Night Fever, das ich aus Freiburg kannte, auf in die Innenstadt machte, erwartete mich dort nur öde Leere. Seitdem hat sich viel getan: Es gibt Strassencafés und Leben in der Innenstadt – gleichzeitig stirbt es wieder ab, und sogar die Einkaufsinstitution, der Globus von Mulhouse, hat Konkurs gemacht und viele Geschäfte stehen leer. Wo wird das hinführen?

Am ehestens Strassburg

Vielleicht tue ich Karlsruhe, das ein Schloss, ein interessantes Theater und ein super öV-System zu bieten hat, unrecht, aber als Metropole habe ich die Stadt nun wirklich nicht erlebt. Dann gibt es da nach Strassburg mit seinen zahlreichen europäischen Institutionen wie dem Europaparlament und dem Europarat. Dennoch hatte ich, als ich in der vermeintlichen Europastadt lebte, regelmässig den Eindruck, dass die Bewohner Europa eher als Störfaktor denn als Bereicherung erlebten. Eine Metropole tritt anders auf.

Und was ist mit Basel?

Je besser ich Basel kenne, desto kleiner wird die Stadt für mich. Aber immer, wenn ich in Freiburg, Strassburg, Mulhouse, Colmar oder Karlsruhe oder anderswo Freunden und Bekannten von Basel erzähle, wächst sie erneut und wird zur Metropole mit menschlichem Antlitz, wo man in zehn oder fünfzehn Velominuten überall ist und doch in vielen Bereichen auf Weltniveau mitschuttet. Novartis und Roche, die Logistikbranche, die Banken, die Art und Baselworld, die Fondation Beyeler, das Kunstmuseum, das Musée Tinguely, das Theater und das breite anspruchsvolle Musikleben, der FCB und dann noch ein Flughafen, von dem nach fünfzehn Minuten Busfahrt die allermeisten Destinationen Europas bereisen kann ... Provinziell? Vielleicht auch das manchmal – aber auf hohem Niveau.

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