Leserbrief
Absolutistische Monarchie und öffentliche Meinung

«Bistum Chur: Bischof Bürcher erklärt seinen Entscheid», Ausgabe vom 30.März

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Bischof Pierre Bürcher von Chur hat ein klares Selbstverständnis, das immer noch aus der absolutistischen Monarchie stammt, wenn er gegen die öffentliche Meinung und die Medien wettert: «Es ist leider nicht von der Hand zu weisen, dass die Instrumentalisierung der Medien, des Staates und der öffentlichen Meinung (Petitionen) zur Durchsetzung der eigenen Position im Bistum Chur seit den Zeiten von Bischof Wolfgang Haas eine unselige Tradition darstellt.

Die Ernennung eines Apostolischen Administrators, der das Bistum im Namen des Papstes leitet, war das Zeichen, dass jetzt Zeit ist, damit aufzuhören. Es ist jederzeit möglich, direkt an den Bischof zu gelangen. Auch über die Mitglieder des Bischofsrats ist das möglich. Zudem gibt es die von der Kirche vorgesehenen Gremien und Räte, um sich einzubringen. Mediale Kampagnen und politische Druckmittel sind und bleiben jedoch in der Kirche etwas Ungehöriges, das spaltet und verletzt.»

Was Bürcher als «unselige Tradition» betitelt, hat die katholische Kirche eigentlich schon längst als notwendigen Teil kirchlichen Lebens bezeichnet: «Als lebendiger Organismus bedarf die Kirche der öffentlichen Meinung, die aus dem Gespräch ihrer Glieder erwächst. Nur dann ist in ihrem Denken und Handeln Fortschritt möglich. Dem Leben der Kirche würde etwas fehlen, wenn es in ihr an öffentlicher Meinung mangelte. Die Schuld daran fiele auf Hirten und Gläubige.» (Communio et progressio, Nr. 115) Da ist noch ein Lernprozess angesagt...

Florian Flohr, Theologe, Luzern

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