Leserbrief
Applaus für die Pflegenden allein reicht nicht

«Tag der Pflege: Sichtbar in der Krise», Ausgabe vom 12. Mai

Judith Dörflinger, Luzern,
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Selten standen die Pflege- berufe so sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit wie in der momentanen Coronakrise. Wir alle erkennen, dass Pflegeberufe systemrelevant sind. Angestellte in den Spitälern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Betagten- und Pflegeheimen leisten sehr viel, damit so wenig Todesopfer wie möglich zu beklagen sind. Dafür kriegen sie Applaus von Balkonen und ihnen wird in beinahe allen Medienkonferenzen von Politikerinnen und Politikern gedankt.

Wir alle wissen: Diese Care-Arbeit wird vor allem von Frauen ausgeführt. Und sie ist schlecht bezahlt. Systemrelevante Berufe und unbezahlte Care-Arbeit müssen endlich bessergestellt werden!

Die Arbeit in der Pflege hat sich in den letzten Jahren stark verändert, der administrative Aufwand ist massiv gestiegen, die Zeit für die Patientinnen und Patienten wird hingegen immer kürzer. Es geht nicht an, dass der Bundesrat in der Krise das Pflegepersonal durch das Aussetzen des Arbeitsrechts zu Überstunden zwingt, ohne dass gleichzeitig auch der Pflegenotstand endlich ernst genommen wird.

Lösungen liegen schon lange auf dem Tisch: Die Ausbildungszahlen müssen erhöht werden und die Ausgebildeten länger im Beruf bleiben. Wir erreichen das mit höheren Löhnen, besseren Arbeitsbedingungen und einem höheren Ansehen von Care-Arbeit in der Gesellschaft.

Letzteres hat das Coronavirus für uns übernommen, der Applaus ist Zeichen davon. Nun braucht es konkrete Taten auf politischer Ebene, um dem Anspruch der Bevölkerung an eine hohe Pflegequalität und gleichzeitig den Bedürfnissen der Pflegenden nach verbesserten Arbeitsbedingungen gerecht werden zu können.

Judith Dörflinger, Luzern, Stadtratskandidatin SP Luzern

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