Leserbrief
Den Horizont geöffnet für eine kritische Diskussion

«Macht den Quatsch nicht mit», Ausgabe vom 26. September

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Ich habe mich ausserordentlich gefreut, dass Sie in Ihrer Zeitung ein Interview mit Sucharit Bhakdi und Karina Reiss publiziert haben. Es ist ein erster Schritt zur Meinungsvielfalt, welche in den letzten Monaten in den Mainstream- Medien fehlte. Viel mehr Menschen als angenommen wurden mit ihrer Meinung ins Abseits gedrängt und lächerlich gemacht. Wenn keine anderen als die staatlichen Ansichten und Überzeugungen publiziert werden, suchen sie diese Informationen bei alternativen Medien und formen Gruppen, damit sie in ihrer Ohnmacht nicht alleine sind.

Marion Russek, Steinhausen


Seit Beginn der Coronakrise gibt es einen relativ klaren «Mainstream» der Botschaften seitens Politik und Medien: Es wird eine grosse Gefahr heraufbeschworen und vielerorts Ängste oder zumindest Unsicherheit verursacht. Es ist dieser Zeitung positiv anzurechnen, dass sie auch andere Meinungen wie diese von Sucharit Bhakdi und Karin Reiss veröffentlicht. Ob diese beiden in allen Teilen recht haben, vermag ich nicht zu beurteilen, doch ihre Darstellung öffnet den Horizont für die notwendige kritische Diskussion.

Als Jurist bewegt mich zum Beispiel die Frage, ob der Staat derzeit weitgehend nach dem verfassungsrechtlichen Verhältnismässigkeitsgrundsatz handelt. Und wie ist es rechtsstaatlich begründbar, dass die Luzerner Massnahmen vom 15. Juli 2020, die eingreifende soziale und wirtschaftliche Restriktionen für das ganze Kantonsgebiet zur Folge haben, nicht vom Regierungsrat als Verordnung, sondern bloss von einem Beamten zusammen mit dem Kantonsarzt als Allgemeinverfügung erlassen worden sind?

Und schlicht als Mensch hat mich die Erzählung einer mir bekannten Beiständin berührt, die sich um alte und ärmere Menschen in Heimen kümmert: 2019 habe sie zwei Todesfälle erlebt, dieses Jahr seien es schon deren sieben gewesen. Todesursache sei in keinem Fall eine Coronainfektion gewesen, sondern die Aufgabe jeglichen Lebenswillens in der Isolation fernab zwischenmenschlicher Kontakte. Corona darf ernst genommen werden, doch gilt es auch Mass zu halten.

Bruno Roelli, Luzern