Leserbrief
Entwicklungshilfe braucht Ethik, kein Businessmodell

«Praktikumsplätze und Experten gesucht», Ausgabe vom 22. Februar

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Da lese ich in der Zeitung von Zuger Entwicklungshilfe in Sambia und Namibia. Die ehemalige Bankerin Sabina Balmer vermittle afrikanischen Universitäten europäische Experten, welche den afrikanischen Studenten in wenigen Wochen «fundiertes Know-how» vermitteln. Im Gegenzug dürfen afrikanische Studenten ein mehrwöchiges Praktikum bei Schweizer Unternehmen, beispielsweise bei der Credit Suisse, absolvieren. Auch unser ehemaliger Volkswirtschafts­direktor Matthias Michel engagiert sich in dieser Sache und weilte kürzlich in Namibia. Dort habe er jungen Menschen bei der Berufswahl geholfen. «Innerhalb einer Woche brachten wir den Studenten diverse Businessmodelle näher», erklärte er bei seiner Rückkehr der Zeitung treuherzig.

Gleichentags lesen wir in derselben Zeitung, dass die UBS in Frankreich zu einer Busse von vier Milliarden verknurrt worden sei, weil sie dort einmal mehr Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet habe. ­Bekanntlich bildet in Afrika Steuerhinterziehung und die Bereicherung einer kleinen Elite an den unermesslichen Bodenschätzen das grösste Hindernis auf dem Weg in eine gute Zukunft. Auch sind uns die vom Schweizer Fernsehen ausgestrahlten himmeltraurigen Bilder aus Afrika noch in schlechter Erinnerung. Hautnah erlebten wir im Film junge todkranke Dorfbewohner und sterbende Alte, welche durch jahrzehntelang ausgestossene Schwefeldämpfe vergiftet worden sind. Verursacherin dieser Katastrophe war die Zuger Firma Glencore, welche ohne Rücksicht auf Umwelt und Bevölkerung solche todbringenden Gase in den afrikanischen Himmel ausstiess.

Wenn unser ehemaliger Volkswirtschaftsdirektor der künftigen afrikanischen Elite ein Gegenmodell von Raffgier und Bereicherung aus Zug vermitteln kann, wäre das sehr gut. Dazu müsste er jedoch zuerst hinschauen und dann brauchte er mehr als eine Woche, um das zu vermitteln.

Franz Felder, Neuheim

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