Leserbrief
«Ich plädiere für Vorsicht, den nötigen Abstand, Respekt und Toleranz füreinander»

Zur Coronakrise

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Ende April durften wir nach sechs Wochen unsere Podologie-Praxis wieder öffnen und sämtliche Behandlungen durchführen. Die Gespräche mit unseren Kundinnen und Kunden waren aufwühlend. Da war die Frau, alleinstehend, da verwitwet, regelmässig Bridge spielend, jassend und Aquafitness begeistert, mit beiden Beinen im Leben stehend, nun psychisch völlig an Ende. Die Einsamkeit, trotz Skype und Facetime, hat tiefe Traurigkeit und Depression hinterlassen. Der Familienvater, angesichts der Kosten, welche diese für ihn notwendige Behandlung mit sich bringt, schwer schluckend, wegen der einschneidenden Kurzarbeit und des noch knapperen Budgets.

Nun steigen die Fallzahlen wieder. Bundesrat Alain Berset kommuniziert, dass alles getan wird, um einen zweiten Lockdown zu verhindern. Angesichts der psychischen, gesundheitlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, verstehe ich nicht, warum auch nur im entferntesten ein neuer Lockdown in Betracht gezogen wird. Aktuell warten wir alle auf die ersehnte Impfung gegen Covid-19. Ist diese da, geht es wieder aufwärts. Wer sagt das? Wer lässt sich impfen? Allgemeine Umfragen zeigen die kritischen Stimmen ganz klar.

In meiner Praxis frage ich unsere Kunden, welche Meinung sie zu der Impfung haben. Zwei Drittel lehnen dankend ab und sagen ganz klar: als erstes sicher nicht. Nun was folgt? In meinem Kopfkino folgen Restriktionen für «nicht Geimpfte», Hetzjagd und Schuldzuweisungen. In der Diskussion mit impfbefürwortenden Kunden höre ich: «Wenn sich jemand nicht impfen lassen will, soll derjenige halt die Behandlungskosten im Falle einer Infektion mit Komplikationen selber berappen.»

Einen zweiten Lockdown überstehen viele Geschäfte nicht. Ich will das auf keinen Fall. Eine allumfassende Lösung gibt es aktuell nicht. Aber ich plädiere für Vorsicht, den nötigen Abstand und Anstand, Respekt und Toleranz füreinander, Nachsicht miteinander und Liebe zueinander. Nur so überstehen wir, meines Erachtens, die Krise gemeinsam.

Nadja Niederberger, Podologin, Ebikon

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