Staat vs. Markt
Wunder des Wettbewerbs: Es ist der Kapitalismus, der uns vor Corona und der Klimaerwärmung rettet

Zuerst sah es so aus, als würde die Pandemie zu einem Erstarken des Staates führen. Ein Irrtum – mit Lehren für die Klimapolitik. Der Wochenkommentar.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Der Oberkapitalist als Klimaretter: Tesla-Erfinder Elon Musk.

Der Oberkapitalist als Klimaretter: Tesla-Erfinder Elon Musk.

Britta Pedersen / AP

Wer besiegt Corona? Der Staat – oder der Kapitalismus, das freie Spiel des Wettbewerbs? Ob die Politik oder der Markt zu besseren Lösungen führt, ist spätestens seit Karl Marx die Streitfrage, die sich bei jedem grösseren (und oft auch kleineren) Problem stellt.

Bei Corona schien die Antwort anfänglich klar. Der Staat leistete Erste Hilfe. Mit rigorosen Lockdowns und milliardenschweren Kreditprogrammen hielt er Menschen und den Wirtschaftskreislauf am Leben. Fast überall in Europa – Ausnahme Schweden – regierten die Exekutiven mit Sondervollmachten durch. Es ging in dieser Phase wohl nicht anders.

Wirkungsloses Gängelband

Das änderte sich, je mehr man über das Virus und seine Bekämpfung wusste. Aus dem staatlichen Kommando wieder herauszufinden, fiel nicht allen gleich leicht. Der Bundesrat erkannte früher als die Regierungen Deutschlands und Frankreichs, dass sich eine solche Krise nicht dauerhaft behördlich managen lässt.

In der jüngsten Phase verlor das Gängelband seine Wirksamkeit fast gänzlich. In der Schweiz, die mehr und mehr lockerte und die Skigebiete offen liess, sanken die Infektions- und Todeszahlen genauso wie in Ländern, die abendliche Ausgangssperren und neue Lockdowns verfügten. Für den Schutz vor einer Covid-Erkrankung war das einerlei, für die Psyche und auch die Arbeitsplätze aber ein gewaltiger Unterschied.

Die Pharmaindustrie ermöglichte den «Game Changer»

Nicht die Weisheit der Behörden, sondern die Impfungen sind der «Game Changer» dieser Pandemie. Sie und nichts anderes bringen uns die Freiheit zurück. Das ist offensichtlich, aber noch nicht überall durchgedrungen. Das Schweizer Fernsehen übertitelte kürzlich einen Beitrag: «Ist Corona das Ende des Kapitalismus?» Es verhält sich gerade umgekehrt. Der Kapitalismus ist das Ende von Corona.

Die Impfstoffe wurden in einer Geschwindigkeit entwickelt, die kaum jemand für möglich gehalten hätte. Dass der ungeliebten «Big Pharma» dieser Erfolg gelang, war kein Zufall, sondern das Ergebnis von milliardenschweren Investitionen in Forschung und Entwicklung über Jahre und Jahrzehnte hinweg. Moderna, Pfizer und Johnson & Johnson wurden angetrieben von der Konkurrenz, die besten und, ja, die margenträchtigsten Impfstoffe zu haben. Die Vakzine sind ein Wunder des Wettbewerbs.

Der planende Staat aber brachte es letztes Jahr nicht einmal fertig, ein so banales Produkt wie eine Schutzmaske in ausreichender Menge bereitzustellen.

Die profitorientierte Big Pharma als «Game Changer»: Vakzin von Pfizer.

Die profitorientierte Big Pharma als «Game Changer»: Vakzin von Pfizer.

Damit ist nicht gesagt, dass das Pandemiemanagement vollends privatisiert werden soll. Es braucht die Politik, etwa dafür, eine faire Verteilung der Impfstoffe sicherzustellen – insbesondere für ärmere Länder. Gute Lösungen erfordern ein Zusammenspiel von Markt und Staat, die Frage ist nur: Wo liegt das Primat?

Ein Kapitalist als Klimaretter

Die grossen Durchbrüche können nicht verordnet werden. Sie wachsen im freien Spiel des Wettbewerbs. Das zeigt sich auch beim Klimawandel. Den vielleicht wirksamsten Beitrag zu dessen Bekämpfung leistet der schrille Kapitalist Elon Musk. Weil sein Tesla riesigen Erfolg hat, setzen jetzt von Audi bis Volvo alle Hersteller auf Elektroautos, die Konkurrenz macht diese immer besser, schöner und zugleich billiger. In der Schweiz hat VW eben Tesla als meistverkauftes Elektroauto abgelöst. Die E-Autos gewinnen Marktanteile, der CO2-Ausstoss sinkt. Er fiel übrigens in der Schweiz seit 1990 um 30 Prozent pro Person.

Trotzdem posaunen viele Klimaaktivisten, die am Freitag wieder auf die Strasse gingen, antikapitalistische Parolen. Nur mit Verboten und einer Abkehr vom Wirtschaftswachstum sei dem Klimawandel beizukommen. Entlarvend ist, dass ein Teil von ihnen das CO2-Gesetz ablehnt – weil es auf marktwirtschaftliche Anreize setzt.

Das zeigt eigentlich nur, dass das Gesetz gar nicht so schlecht ist. Und dass radikalen Aktivisten die Ideologie wichtiger ist als das Ziel: Die Klimaerwärmung zu stoppen, in der Schweiz mit einer pragmatischen Mischung aus Musk und Sommaruga.

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