Militärputsch
Polizei und Militär gegen Demonstranten: Fünf Tote bei neuen Protesten in Myanmar

Zehntausende Menschen haben in Myanmar Augenzeugen zufolge auch am Sonntag gegen den Militärputsch in dem südostasiatischen Land protestiert. Mindestens fünf Menschen wurden Medien und Teilnehmern zufolge getötet, als das Militär und die Polizei gegen die Demonstranten vorgingen.

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Wieder sterben Menschen in Myanmar.

Wieder sterben Menschen in Myanmar.

Foto: Keystone

(dpa) In Bago nordöstlich der ehemaligen Hauptstadt Yangon (früher Rangun) sei ein Demonstrant gegen 09.00 Uhr (Ortszeit) erschossen worden, berichtete ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Drei Menschen kamen zudem Augenzeugen zufolge in einem Stadtteil im Westen Yangons ums Leben, ein weiterer in Hpakant im nördlichen Staat Kachin.

Im früheren Birma hatte sich das Militär am 1. Februar ganz an die Macht geputscht. Seitdem gibt es immer wieder Massenproteste. Polizei und Armee reagieren zunehmend brutal. Mehr als 80 Menschen wurden bereits getötet, wie die gemeinnützige Organisation für politische Gefangene, Assistance Association for Political Prisoners (AAPP), schätzt. Etwa 2100 Menschen wurden ihr zufolge zudem festgenommen.

Auch Journalisten geraten immer öfter ins Visier. Der polnische Reporter Robert Bociaga, der für die dpa und andere Medien in Myanmar tätig ist, war am Donnerstag Medienberichten zufolge in Taunggyi von Einsatzkräften festgenommen worden. Der 30-Jährige soll dabei auch geschlagen worden sein. Die deutsche Botschaft in Myanmar bemüht sich um Zugang zu dem Reporter, dessen Aufenthaltsort unbekannt ist. Die Auslandsvertretung rief die Behörden am Samstag zu einer «fairen und menschlichen Behandlung» Bociagas auf.

Alleine Tausende Demonstranten kamen einem Augenzeugen zufolge am Sonntag in der Gemeinde Hlaing Thar Yar im Westen Yangons zusammen. Dort sollen drei der bisher für Sonntag gemeldeten Opfer getötet worden sein. «Wir protestieren gegen das Militär und stellen uns diesem brutalen Durchgreifen», sagte der Anwohner und Demonstrant Nay Ko Lin der dpa. «Die vielen Tausend Demonstranten in unseren Gemeinden heute zeigen, dass wir Ungerechtigkeit nicht akzeptieren und Gerechtigkeit wollen.»