2. SRG-Umfrage
Gegner der «Ehe für alle» holen auf – Juso-Vorlage verliert massiv an Boden

Ende September stimmt das Schweizer Stimmvolk über zwei Vorlagen ab. Die Meinungen sind zwar grösstenteils gemacht. Doch gibt es bei der Abstimmung über die «Ehe für alle» einen ungewöhnlichen Trend.

Michael Graber
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Die gleichgeschlechtliche Ehe ist auf der Zielgerade angekommen. Das Ja-Wort des Stimmvolks ist aber noch nicht ganz sicher. (Symbolbild)

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist auf der Zielgerade angekommen. Das Ja-Wort des Stimmvolks ist aber noch nicht ganz sicher. (Symbolbild)

Keystone

Wird die «Ehe für alle» doch noch zur Zitterpartie? Der neuste Trendbefragung des Forschungsinstituts gfs.bern zu den Volksabstimmungen vom 26. September lässt zumindest wieder etwas Spannung aufkommen. Laut der 2. Umfrage im Auftrag der SRG haben die Gegner nämlich kräftig aufgeholt. Waren bei der ersten Umfrage im August noch 29 Prozent «bestimmt» oder «eher» dagegen, sind es nun schon 35 Prozent. Die Befürwortenden haben derweil leichte Einbussen zu beklagen: Von 69 in der ersten SRG-Umfrage auf aktuell noch 63 Prozent.

Das ist eigentlich erstaunlich. Vorlagen der Behörden gewinnen normalerweise im Verlauf der Kampagne an Zustimmung. Und ebenso profitieren Vorlagen, die mit so einer hohen Zustimmung starten wie jene der «Ehe für alle» tendenziell von den guten Umfragewerten. «Ein Nein zur Ehe für alle kann angesichts des aussergewöhnlichen Verlaufs zum heutigen Zeitpunkt nicht gänzlich ausgeschlossen werden», schreibt denn auch gfs.bern. Allerdings, schiebt das Forschungsinstitut nach, «es wäre aber aufgrund der vorgefunden Stimmverhältnisse eine grosse Überraschung».

Auf Ablehnung trifft die Vorlage laut gfs.bern weiterhin vor allem bei «SVP-nahen und freikirchliche Kreisen». Am grössten ist die Skepsis in der italienischsprechenden Schweiz, wobei auch dort eine Mehrheit (56 Prozent) für die gleichgeschlechtliche Ehe stimmen will. Umstritten ist bei der Vorlage vor allem die Samenspende für lesbische Paare. Diese hatte bei Bundesrat und Parlament Zustimmung gefunden. Gegen die Vorlage haben die EDU und einzelne SVP-Vertreter erfolgreich das Referendum ergriffen.

Juso-Vorlage verliert massiv an Zustimmung

Während bei der «Ehe für alle» die Meinungsbildung aussergewöhnlich läuft, ist sie bei der 99%-Initiative wie erwartet. Die Volksinitiative der Juso hat inzwischen nämlich deutlichen Gegenwind erhalten. Wollten im August noch 45 Prozent das Begehren «bestimmt» oder «eher» ablehnen, sind es nun bereits 57 Prozent. Das Lager der Befürworterinnen und Befürworter schrumpfte derweil von 46 auf 37 Prozent. Aufgrund dieser Tendenzen glauben die Demoskopen von gfs.bern an ein «Nein» an der Urne. Die Vorlage habe «kaum noch realistische Chancen auf eine Annahme.»

Zweite Umfrage, gleiches Bild

Ein klares Ja zur «Ehe für alle» und ein klares Nein zu der 99%-Initiative. Zu diesem Schluss kommt auch die Umfrage von 20 Minuten und Tamedia, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Bei der gleichgeschlechtlichen Ehe sehen dort die Demoskopen eine Mehrheit von 67 Prozent, bei der Vorlage der Juso eine Ablehnung von 63 Prozent. Die Meinungen seien «gefestigt». Die Umfrage der Medienportale wurde online durchgeführt. (mg)

Die 99%-Initiative, wie die Volksintiative «Löhne entlasten, Kapital gerecht besteuern» genannt wird, fordert die eineinhalbfach so starke Besteuerung von Kapitaleinkommen von Dividenden und Zinsgewinnen. Dies ab einem Freibetrag von 100'000 Franken. Parlament und Bundesrat lehnen sie ab.

Derzeit zeichne sich für den 26. September eher eine tiefe Stimmbeteiligung ab, heisst es in der Mitteilung. Laut Mitteilung rechnet gfs.bern derzeit mit 45 Prozent. Der Durchschnitt der letzten Jahre liegt leicht darüber, bei 46 Prozent. Für die Umfrage wurden zwischen dem 1. und 9. September 13’261 Stimmberechtigte befragt.

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