Abstimmung
Kanton Tessin spricht sich für Ernährungssouveränität aus

Die Mehrheit des Stimmvolks im Kanton Tessin hat der Einführung eines neuen Verfassungsartikels zur Ernährungssouveränität zugestimmt.

Gerhard Lob, Lugano
Merken
Drucken
Teilen
Das Tessiner Stimmvolk spricht sich für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Agrarflächen aus.

Das Tessiner Stimmvolk spricht sich für eine nachhaltige Bewirtschaftung der Agrarflächen aus.

Keystone

62,1 Prozent der Stimmenden sagten Ja zu einer Ergänzung der Tessiner Kantonsverfassung, welche die Ernährungssouveränität, den Zugang zu einer abwechslungsreichen Nahrung und die nachhaltige Bewirtschaftung der Agrarflächen beinhaltet.

Der Grosse Rat hatte am 19. Oktober 2020 dieser Verfassungsänderung deutlich zugestimmt, die auf eine parlamentarische Initiative des kommunistischen Grossrats Massimiliano Ay zurückging. Eine breite Allianz von Lega, SP, Grünen und CVP hatte das Anliegen mitgetragen, das als Verfassungsänderung obligatorisch dem Volk zur Abstimmung vorgelegt werden musste.

Bekämpft wurde diese Verfassungsänderung von der kantonalen SVP und FDP, welche es problematisch fanden, ein Prinzip in der Kantonsverfassung festzuschreiben, das nicht eingehalten werden könne. Der Kanton sei von Importen von Lebensmitteln abhängig. Das Prinzip einer verbrauchernahen Produktion werde bereits umgesetzt und benötige keinen eigenen Verfassungsartikel. Im Übrigen verwiesen die Gegner auf die entsprechenden Kompetenzen des Bundes sowie auf eine eidgenössische Volksinitiative zur Ernährungssouveränität, welche im September 2018 vom Schweizer Stimmvolk abgelehnt worden war.