Alters- und Pflegeheime
Curaviva-Chef: «Strikte Besuchsverbote waren nicht verhältnismässig»

Der Leiter des Branchenverbandes Curaviva kritisiert das Besuchsverbot in Heimen während der ersten Welle. Er schätzt die Mehrkosten der ersten Welle auf 160 Millionen Franken und erwartet nun kantonale Hilfen.

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Die Behörden hätten die sozialen Bedürfnisse der Menschen in Heimen zu wenig beachtet, moniert der Verband Curaviva. (Symbolbild)

Die Behörden hätten die sozialen Bedürfnisse der Menschen in Heimen zu wenig beachtet, moniert der Verband Curaviva. (Symbolbild)

Keystone

(dpo) Zu Beginn der Pandemie habe das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Themen stark unter dem Blickwinkel der Gesundheit vorangetrieben und weniger unter dem sozialen Aspekt. Insbesondere beim Besuchsverbot für Alters- und Pflegeheime habe die Politik die sozialen Bedürfnisse der Menschen zu wenig auf dem Radar gehabt, kritisiert Curaviva-Leiter Daniel Höchli im «Tages-Anzeiger» vom Samstag.

«Die absolut strikten Besuchsverbote in der ersten Welle waren nicht verhältnismässig», sagt der Chef des Branchenverbands der Institutionen für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Curaviva hat laut Höchli einen Brief an Gesundheitsminister Alain Berset geschrieben mit der Bitte, der Bund solle keine solch restriktiven Eingriffe mehr empfehlen. Daraufhin habe der Verband eine positive Rückmeldung erhalten. «Es gab also eine Lernkurve, und die Situation hat sich verbessert», so Höchli.

Curaviva erwartet finanzielle Unterstützung von Kantonen

Der Verbandschef bemängelt weiter, dass der Einsatz der Armee sich nicht nur auf die Spitäler hätte fokussieren sollen. Zivilschutz und Zivildienst seien zwar wertvoll für die Heime. Aber: «Für eine echte Verstärkung mit Pflegekompetenz hätte es die besser ausgebildeten Sanitätssoldaten gebraucht», sagt Daniel Höchli.

Gemäss den Aussagen des Curaviva-Chefs beliefen sich die Mehrkosten in der ersten Pandemiewelle auf rund 160 Millionen Franken ausserhalb der Pflegefinanzierung. Für die zweite Welle sei der Verband noch daran, die Kosten zu berechnen.

Nun erwartet der Curaviva-Leiter, dass die Kantone ihre Verantwortung für die finanzielle Unterstützung wahrnehmen. Einige Kantonalverbände von Curaviva seien diesbezüglich bereits in Verhandlungen. Allerdings sei der politische Wille zur Hilfe in einigen Kantonen nicht gross. «Es wäre am Schluss dieser Krise ein Trauerbild, wenn man sagen müsste, die Sportvereine seien besser finanziell unterstützt worden als systemrelevante Institutionen wie Pflegeheime», so Daniel Höchli.