Arbeitsmarkt
Analysen zeigen: Stellenmeldepflicht reduziert Arbeitslosigkeit kaum

Erstmals zeigen wissenschaftliche Berichte, dass die Meldepflicht für Stellen kaum Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit und Zuwanderung hat. Im Zuge der Coronakrise könnte sie aber wichtiger werden.

Gina Bachmann
Drucken
Teilen
Stellen für Malerinnen und Maler müssen RAVs gemeldet werden. Dies, da die Arbeitslosigkeit in diesem Beruf über 5 Prozent liegt. (Symbolbild)

Stellen für Malerinnen und Maler müssen RAVs gemeldet werden. Dies, da die Arbeitslosigkeit in diesem Beruf über 5 Prozent liegt. (Symbolbild)

Keystone

Das inländische Arbeitspotenzial besser ausschöpfen: Das war das Ziel der Stellenmeldepflicht, die das Parlament nach dem Ja zur Masseneinwanderungsinitiative eingeführt hatte. Wie sich jetzt zeigt, hat das Instrument jedoch weder auf die Zuwanderung noch auf die Arbeitslosigkeit signifikante Effekte. Dies ist das Resultat von zwei Studien, die das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Auftrag gegeben und am Montag vorgestellt hat. Lediglich auf die Wahrscheinlichkeit, überhaupt via Regionale Arbeitsvermittlunszentren (RAV) eine Stelle zu finden oder in einem meldepflichtigen Beruf eine Stelle zu finden hat die Stellenmeldepflicht demnach eine positive Wirkung.

Boris Zürcher, der Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, machte verschiedenen Gründe für den fehlenden Einfluss der Stellenmeldepflicht auf die Arbeitslosigkeit geltend. Einerseits könne der Vermittlungserfolg nicht allein auf die Stellenmeldepflicht zurückgeführt werden, sondern hänge auch von der Konjunktur ab, sagte er vor den Medien. «Die Stellenmeldepflicht ist zu einer Zeit eingeführt worden, als die Arbeitslosigkeit rückläufig war», gab Zürcher zu bedenken. Andererseits sei die Schwelle der Arbeitslosigkeit für meldungspflichtige Berufsfelder anfangs bei 8 Prozent gelegen und erst später auf 5 Prozent gesenkt worden.

RAV sollen Stellensuchende vermehrt direkt vorschlagen

Ein meldungspflichtiges Berufsfeld ist aktuell beispielsweise das Malergewerbe. Wird dort eine Stelle frei, muss der Malereibetrieb diese dem RAV melden. Dieses erfasst dann alle gemeldeten freien Stellen und publiziert sie in einem Job-Center, in dem sich Stellensuchende dank einem Informationsvorsprung ohne ausländische Konkurrenz bewerben können. Das RAV kann Betrieben auch direkt Vorschläge mit passenden Dossiers machen. Auch das Job-Center könne technisch noch verbessert werden, hiess es am Montag von Seiten des Seco.

Von der Möglichkeit, Stellensuchende den Betrieben vorzuschlagen, wird nach Ansicht des Seco heute nämlich noch zu wenig Gebrauch gemacht. Dabei seien solche Vermittlungen oft erfolgreich und könnten die Stellenmeldepflicht zu einem noch wirksameren Instrument machen, argumentiert das Seco. Ausserdem könnten die Kantone untereinander vermehrt zusammenarbeiten, um Stellensuchende auch aus anderen Kantonen respektive benachbarten Gebieten zu vermitteln.

Seco verteidigt das Instrument

Trotz beschränkter Wirkung kommt das Seco insgesamt zum Schluss, dass es die Stellenmeldepflicht als Bestandteil der öffentlichen Arbeitsvermittlung nicht mehr missen möchte. «Gerade jetzt, im Nachgang der Coronakrise, kann die Stellenmeldepflicht einen wichtigen Beitrag zur Normalisierung des Arbeitsmarktes leisten», sagt Seco-Mann Boris Zürcher. So sei zuletzt ein Anstieg an gemeldeten Stellen als auch an Stellensuchenden verzeichnet worden. Hätten die Analysen gezeigt, dass die Stellenmeldepflicht eine grosse Auswirkung auf die Arbeitslosigkeit hat, hätte dies laut Zürcher umgekehrt zudem die Wirksamkeit der übrigen Instrumente der öffentlichen Arbeitsvermittlung in Frage gestellt.

Bei den vorliegenden Berichten handelt es sich nicht um die ersten Analysen zur Stellenmeldepflicht. Erstmals evaluiert worden ist das Instrument im Herbst 2019. Damals standen aber die Umsetzung und Prozesse im Vordergrund, nicht deren Wirkung. Damals wie heute kam das Seco zum Schluss, dass die Umsetzung rechtskonform und effizient gestaltet sei.

Aktuelle Nachrichten