Armeeapotheke
Coronavirus: Armee schafft Transparenz bei der Beschaffung

Impfstoffe, Masken und andere medizinische Güter: Die Armeeapotheke musste innert Kürze ihren Betrieb massiv hochfahren. Nun blickt sie auf ihre Erfolge und Fehler zurück.

André Bissegger
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Divisionär Thomas Kaiser informierte über die Herausforderungen für die Armeeapotheke.

Divisionär Thomas Kaiser informierte über die Herausforderungen für die Armeeapotheke.

Keystone

Am 20. März 2020 erhielt die Armeeapotheke vom Bundesrat den Auftrag, die Beschaffung, Bevorratung und Verteilung von Medizinalgütern für das gesamte Schweizer Gesundheitswesen sicherzustellen. Eine Herkulesaufgabe für die Organisation: Sie verfügte bis dahin beim Einkauf über 2,5 Stellen, die jährlich Güter im Wert von 16 Millionen Franken beschaffte. Entsprechend gross waren die Belastung und der Druck. Daniel Aeschbach, Chef Armeeapotheke, verglich das Vorhaben am Donnerstag vor den Medien mit einer «Operation am offenen Herzen mit gleichzeitig multiplen Organversagen während der Patient einen Marathon läuft».

Es sei dabei nicht nur um Masken gegangen, sondern auch um Schutzanzüge, Handschuhe, Spritzen, Desinfektionsmittel und so weiter. «Das Know-how musste zuerst aufgebaut werden. Es gab bei uns keine Spezialisten für beispielsweise Schutzausrüstungen oder Masken», sagte Aeschbach. Dazu kamen Bestellungen auf Mandarin. Und im Sommer musste die Impfstofflogistik aufgebaut werden, die mit einer Punktlandung ab Dezember bereit gewesen sei. Aeschbach: «Wir entwickeln und mit der Pandemie mit, um unser Gesundheitswesen bestmöglich zu unterstützen.»

Dokumente zur Beschaffung werden veröffentlicht

Dass bei den Beschaffungen auch Fehler passiert sind, räumt die Armee ein. Ressourcen, Informatikmittel und Know-how der Armeeapotheke waren zu Beginn der Pandemie nicht für eine solche Aufgabe ausgerichtet. «Wir wollen Transparenz schaffen und Lehren daraus ziehen, damit wir für die nächste Krise besser vorbereitet sind», sagte Aeschbach. Dazu gehört auch, dass die Armee ab sofort verschiedene relevante Dokumente rund um die Beschaffung von Medizinalgütern im Internet veröffentlicht.

Sein Vorgesetzter, Divisionär Thomas Kaiser, informierte als Chef der Logistikbasis der Armee (LBA) über den Umbau der Armeeapotheke, die nun dieselben Prozesse hat wie die gesamte LBA. Aktuell werde aufgeräumt und ein Inventar erstellt. Danach beginne das Training – beispielsweise mit Stresstests. «Die Armeeapotheke soll eine robuste, resiliente und durchhaltefähige Einsatzorganisation werden», sagte er.

Bericht soll Vorwürfe zur Maskenbeschaffung untersuchen

Kaiser sprach auch über die Beschaffung von Masken: Insgesamt konnte die Schweiz – «trotz schwierigem Umfeld» – 302 Millionen Masken besorgen. Bezüglich dem Vorwurf, dass die Schweiz zu viel dafür bezahlt habe, verwies er auf einen Bericht, der derzeit erstellt wird. Dieser soll unter anderem Fragen zum Preis und zur Qualität beantworten.

Bezüglich der Impfstoffe betonte der LBA-Chef, dass die Verteilung der Impfstoffe bisher einwandfrei funktioniert habe. «Wir sind bereit, um pro Tag eine sechsstellige Anzahl an Impfdosen an die Kantone zu liefern.»

Werner Dreyer vom LBA gab derweil einen Einblick in das bisher Erreichte und wie die Zusammenarbeit mit den Kantonen funktioniert. «Gab es einmal kleine Fehler, dann hatten diese keinen Einfluss auf die Impfaktionen der Kantone», sagte er. Die grösste Herausforderung sei nun die Anlieferung von grossen Mengen von Impfstoff, die bei der LBA eintreffen. «Ich bin zuversichtlich, dass wir die Verteilung schaffen und die Kantone ihre Strategien zeitig angehen können.»

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