Menschenrechte
UNO-Experte: Schweiz verstösst mit der Haft von Brian gegen Folter-Konvention

Dass «Brian» seit rund drei Jahren überwiegend in Einzelhaft sitzt, verstösst laut UNO gegen die Konvention gegen Folter. Das Zürcher Obergericht hatte diesen Vorwurf von Brian jüngst zurückgewiesen.

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Wirft dem Zürcher Gefängnis Pöschwies Folter vor: Der junge Straftäter Brian.

Wirft dem Zürcher Gefängnis Pöschwies Folter vor: Der junge Straftäter Brian.

Illustration: Linda Grädel / Keystone

Der heute 25 Jahre alte Brian – der unter dem Pseudonym «Carlos» als jugendlicher Straftäter bekannt geworden war – ist seit seiner Jugend wegen Messerstechereien und Körperverletzung bereits mehrfach verurteilt worden. Er sitzt derzeit eine mehrjährige Haftstrafe ab, weil er Gefängnispersonal angegriffen hat. Laut Anwälten muss er 23 Stunden am Tag in einer Einzelzelle bleiben.

«Die UNO-Standards für die Haft weltweit besagen, dass Isolationshaft nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen darf und in keinem Fall länger als 15 Tage», sagte Nils Melzer, der Sonderberichterstatter für Folter des UNO-Menschenrechtsrats, am Montag gegenüber Radio SRF. Der junge Mann dürfe jedoch nur selten aus der Zelle, und dann lediglich in Handschellen und Ketten.

Traumatisiert von Erlebnissen im Strafvollzug

Nach Angaben Melzers wird Brian zudem eine medizinische Behandlung vorenthalten. Auch sei die Justiz bei der jüngsten Verurteilung womöglich voreingenommen gewesen und habe Vorurteile gegenüber Brian gehabt. Entsprechend sei er traumatisiert von den Erlebnissen im Strafvollzug. Das Zürcher Obergericht will sein jüngstes Urteil diesen Mittwoch bekanntgeben.

Die jüngsten Verhandlungen vor dem Zürcher Obergericht fanden ohne die Anwesenheit von Brian statt. Seine Anwälte hatten die sofortige Haftentlassung gefordert. Zudem kritisierten sie, ihr Mandant werde gefoltert. Das Obergericht wies diesen Antrag jedoch ab.

«Was mir Kraft gibt, ist Aggression»

Brian muss sich derzeit einmal mehr vor Gericht verantworten, weil er im Zürcher Gefängnis Pöschwies mehrere Polizisten, Mithäftlinge und Mitarbeiter angriff. Die Anklageschrift listet dazu 29 Vorfälle auf.

Brian lehnt jede Behandlung und Medikamente ab, wie er in einer Dokumentation von Fernsehen SRF im vergangenen Jahr bekräftigte. «Was mir Kraft gibt, ist Wut, ist Aggression», sagte er darin. Und weiter: «Ich bin mit mir selber zufrieden. Ich liebe mich selber sehr.» (dpa/sat)

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