Corona und Ausbildung
Jugendliche ausländischer Herkunft haben häufiger Mühe in der Schule und bei der Arbeit

Viele Jugendliche empfinden die Ausbildungssituation während der Pandemie als belastend, wie ein Bericht zeigt. Dabei spielt die Herkunft der Jugendlichen eine Rolle.

Dario Pollice
Merken
Drucken
Teilen
Ausländische Jugendliche berichteten vermehrt über Schwierigkeiten bei der Ausbildung. (Symbolbild)

Ausländische Jugendliche berichteten vermehrt über Schwierigkeiten bei der Ausbildung. (Symbolbild)

Keystone

Junge Menschen sind seit den Krawallen in St.Gallen im Fokus der Öffentlichkeit. In den Diskussionen um Skigebiete und Restaurant-Terrassen gingen die Jugendlichen irgendwie unter, wie Fredy Fässler, der Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz, jüngst einräumte. Doch wo drückt den Jungen der Schuh genau?

Eine Antwort darauf könnte eine am Dienstag veröffentlichter Bericht über Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW liefern. Dieser zeigt, dass viele junge Menschen die Situation mit dem Fernunterricht als belastend empfinden. Dabei spielt die Herkunft offenbar eine grosse Rolle, wie es in einer Mitteilung heisst.

So berichteten Jugendliche ausländischer Herkunft häufiger von Schwierigkeiten mit den Pandemie-bedingten Umständen in der Schule und bei der Arbeit (56 Prozent). Bei den Schweizer Jugendlichen seien es dagegen 38 Prozent gewesen.

Nicht alle erhalten zu Hause gleiche Unterstützung

Ein ähnliches Bild zeigt sich gemäss den Studienautoren beim sozioökonomischen Status der Jugendlichen. Familien mit tiefem sozioökonomischem Status hätten tendenziell weniger Bildschirmgeräte zur Verfügung, was wiederum den Fernunterricht erschwert haben könnte. Zudem seien Jugendliche aus sozial schlechter gestellten und bildungsfernen Familien möglicherweise stärker auf sich allein gestellt, da sie bei den Hausaufgaben weniger Unterstützung erhielten.

Auch Realschüler hatten gemäss dem ZHAW-Medienpsychologe Daniel Süss vermehrt Probleme: «Wir vermuten, dass die elterliche Unterstützung zu Hause nicht immer gewährleistet werden konnte und dass Realschülerinnen und -schüler mehr auf die Strukturen eines schulischen Umfelds angewiesen sind.»

Weiter legt die Studie dar, dass besonders der fehlende Kontakt zu Freundinnen und Freunden die Jugendlichen belastet. Auch die Einschränkungen bei der Freizeitgestaltung und den Hobbys habe ihnen Schwierigkeiten bereitet.

Für die Studie hat die ZHAW im Auftrag der Swisscom über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in den drei grossen Sprachregionen der Schweiz befragr. Die Umfrage wurde während der Zeit des ersten Corona-Lockdowns im Frühling 2020 durchgeführt.