Covid-19
Versäumnisse bei Impfstoffbeschaffung: Bundesrat Berset leitet Untersuchung ein

Der Bund wollte Engpässe bei den Impfstoffen vermeiden, dafür müssen nun hunderttausende Dosen vernichtet werden. Nun soll eine Untersuchung Klarheit schaffen, ob sich der Bund verkalkuliert hat.

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Bei der Impfstoffbeschaffung durch den Bund soll es zu Versäumnissen gekommen sein. Das lässt Bundesrat Berset nun untersuchen.

Bei der Impfstoffbeschaffung durch den Bund soll es zu Versäumnissen gekommen sein. Das lässt Bundesrat Berset nun untersuchen.

Keystone

620'000 Impfdosen von Moderna müssen vernichtet werden, weil sie abgelaufen sind. Die Nachricht löste schweizweit Empörung und Unverständnis aus. Nun hat Bundesrat Alain Berset eine Untersuchung eingeleitet, die sich mit «möglichen Versäumnissen» bei der Beschaffung von Covid-19-Impfstoffen befasst. Das teilte das eidgenössische Departement des Innern (EDI) am Donnerstagabend mit.

Am Donnerstagnachmittag informierte Innenminister Berset die Finanzkommission des Nationalrats über die Versäumnisse. Diese seien im Rahmen der parlamentarischen Beratung über die Kredite für die Beschaffung von Impfstoffen entdeckt worden, heisst es weiter.

Nun wolle man «rasch Transparenz über die eingegangenen Verpflichtungen schaffen». Untersucht werden sowohl die angesprochenen Versäumnisse als auch die Abläufe, um solche zukünftig zu verhindern. Kurt Grüter, ehemaliger Direktor der Eidgenössischen Finanzkontrolle, soll die Untersuchung leiten.

Der Bundesrat wollte Risiken minimieren und Engpässe vermeiden

Der Bundesrat verfolgte bei der Impfstoffbeschaffung laut dem EDI «eine auf Sicherheit ausgerichtete Strategie». Er bestellte bei zwei Herstellern (Pfizer und Moderna). Sein Ziel sei es gewesen, die Risiken zu minimieren und sicherzustellen, dass die Schweiz auch bei allfälligen Produktionsengpässen oder Qualitätsmängeln über genügend und qualitativ hochstehende Impfstoffe verfügt. Die Schweizer Bevölkerung sollte jederzeit Zugang zu den neusten verfügbaren Impfstoffen haben, so das EDI.

Die Impfstoffdebatte wird weiter zu reden geben. Auch dieses Jahr stehen der Schweiz ganze 34 Millionen Impfdosen zur Verfügung. Vor einem Tag sperrte sich der Ständerat gegen die geplante Impfstoffbeschaffung – die Menge sei zu hoch, monierte die Ratsmehrheit. Da der Nationalrat zuvor Ja gesagt hatte, wird er sich nun nochmals mit der Impfstoffbeschaffung befassen müssen. (aka)