Energiewende
Längere AKW-Laufzeiten: Energiestiftung fordert höheres Sicherheitsniveau

Die Laufzeit von Atomkraftwerken soll in der Schweiz erhöht werden. In der Politik wird diese Forderung immer lauter. Dagegen regt sich nun Widerstand.

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Gemäss einer neuen Studie sollen auch beim AKW Leibstadt bei der letzten Prüfung Mängel zum Vorschein gekommen sein.

Gemäss einer neuen Studie sollen auch beim AKW Leibstadt bei der letzten Prüfung Mängel zum Vorschein gekommen sein.

Keystone

Wie will die Schweiz die Energiewende schaffen? Angesichts der ambitionierten CO2-Ziele und des drohenden Strommangels im Winter rücken die Atomkraftwerke wieder stärken in den Fokus. Der Bund prüft derzeit, ob die Laufzeit der AKW von 50 auf 60 Jahre verlängert werden soll. Morgenluft wittern auch AKW-Befürworter. Die Bündner SVP-Nationalrätin Magdalena Martullo-Blocher forderte im Juli gar den Bau eines neuen AKW.

Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) kritisiert diese Entwicklung. Aus ihrer Sicht geht bei dieser Diskussion die Sicherheit der AKW vergessen. Für einen sicheren längerfristigen Betrieb müsse weit mehr unternommen werden, als das geltende Gesetz verlange. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie im Auftrag der SES.

Stiftung fordert griffige Auflagen für AKW

Selbst das neuste AKW in Leibstadt habe bei der Periodischen Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) von 2016 diverse Defizite aufgewiesen, die weder die Betreiberin Axpo noch die Atomaufsicht Ensi beheben wollten, kritisierte die SES. Gemäss der Studie müssten AKW grundsätzlich nach 40 Jahren ausser Betrieb genommen werden. Ausnahmen dürfe es nur geben, wenn das Sicherheitsniveau eines solchen AKW dem «gegenwärtigen Stand von Wissenschaft und Technik» entspreche.

Kritik übt die SES auch an der Politik. Das Parlament habe es verpasst, den längerfristigen Betrieb an «griffige» sicherheitstechnische Auflagen zu knüpfen. Die Politik müsse die Gefahren des verlängerten AKW Betriebs ernst nehmen und entsprechende Grundlagen im Kernenergiegesetz schaffen. «Einige Politiker:innen wünschen sich AKW-Betriebslaufzeiten von 60 Jahren – dabei ist das Schweizer Regelwerk noch nicht einmal für einen Betrieb über 40 Jahre hinaus gerüstet», stellt Fabian Lüscher, Leiter Fachbereich Atomenergie bei der SES, fest. (rwa)

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