RÜSTUNGSINDUSTRIE
900 Millionen: Exporte von Kriegsmaterial erreichen neuen Höchststand

Letztes Jahr hat die Schweiz Kriegsmaterial für gut 900 Millionen Franken exportiert. Das ist so viel, wie seit über drei Jahrzehnten nicht mehr. Schweizer Exportschlager sind gepanzerte Radfahrzeuge.

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Panzer aus schweizerischer Produktion – insbesondere gepanzerte Radfahrzeuge – waren 2020 im Ausland äusserst gefragt. (Symbolbild)

Panzer aus schweizerischer Produktion – insbesondere gepanzerte Radfahrzeuge – waren 2020 im Ausland äusserst gefragt. (Symbolbild)

Keystone

(frh/rwa/wap) Schweizer Unternehmen haben im letzten Jahr für 901,2 Millionen Franken Kriegsmaterial exportiert. Das ist ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Dienstag mitteilte. 2019 beliefen sich die Ausfuhren von Kriegsmaterial noch auf 728 Millionen Franken.

Auch im langjährigen Vergleich erreichen die Exporte einen neuen Höchststand. Wie eine Statistik des Seco zeigt, waren die Ausfuhren in den letzten 30 Jahren nie höher. Allerdings sind die Zahlen nicht inflationsbereinigt. Letztmals in einem ähnlichen Hoch waren die Schweizer Kriegsmaterialexporte im Jahr 2011 mit 873 Millionen Franken. Seit 2016 sind sie seither kontinuierlich angestiegen.

Flugabwehrsysteme für Indonesien

Insgesamt exportierte die Schweiz im letzten Jahr Kriegsmaterial in 62 Länder. Die fünf Hauptabnehmerländer waren laut Seco Dänemark mit Lieferungen im Wert von 160,5 Millionen Franken, gefolgt von Deutschland (111,8 Millionen), Indonesien (111,6 Millionen), Botswana (84,9 Millionen) und Rumänien (59,2 Millionen).

Grössere Geschäfte in der Berichtsperiode waren laut Seco die Ausfuhr von gepanzerten Radfahrzeugen nach Dänemark (154,7 Millionen), die Lieferung von Flugabwehrsystemen nach Indonesien (111,3 Millionen) sowie Exporte von gepanzerten Radfahrzeugen nach Botswana (84,9 Millionen) und Rumänien (58,7 Millionen).

GSoA kritisiert Waffengeschäfte mit arabischen Staaten

Aufgeschlüsselt nach Kontinenten machten Schweizer Exporte nach Europa 62 Prozent (Vorjahr: 73,3 Prozent) aller Ausfuhren aus. Zweitgrösster Abnehmerkontinent war Asien mit 18,8 Prozent (14,6 Prozent), gefolgt von Afrika mit 9,6 Prozent (1,4 Prozent), Amerika mit 8,5 Prozent (8,1 Prozent) und Australien mit 1,1 Prozent (2,6 Prozent).

Die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (Gsoa) kritisiert die Ausfuhrpolitik des Bundes. So seien Waffen nach Saudi Arabien, Bahrain, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate geliefert worden, obwohl diese Staaten in den blutigen Konflikt im Jemen involviert seien. Auch Lieferungen nach Indonesien und Brasilien sind laut GSoA bedenklich, da dort Sicherheitskräfte in Menschenrechtsverletzungen verwickelt seien.

Rüstungslobby sieht Schweiz auf gutem Weg

Die Lobbyorganisation Arbeitskreis Sicherheit und Wehrtechnik (Asuw) wiederum wertet die Seco-Zahlen als Bestätigung der Schweizer Rüstungsindustrie. Diese habe von der Entwicklung des Weltmarkts profitiert, schreibt der Asuw in einer Mitteilung. Weltweit seien die Rüstungsausgaben von 2018 bis 2019 um 4 Prozent gewachsen, in Deutschland sogar um 10 Prozent.

Dieser Trend werde sich weiter fortsetzen. Für die Schweiz ist der wirtschaftliche Anschluss an den Weltmarkt laut Asuw wichtig, da die inländische Produktion das Rückgrat der Schweizer Sicherheits- und Blaulichtorganisationen sei.