Fifa-Affäre
Ex-Sonderermittler Stefan Keller wirft dem Bundesstrafgericht Parteilichkeit vor

Der zurückgetretene Fifa-Sonderermittler Stefan Keller erhebt schwere Vorwürfe gegen das Bundesstrafgericht und die Bundesanwaltschaft. Er sei gezielt kaltgestellt worden, so Keller.

Peter Walthard und Samuel Thomi
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Nach seinem Rücktritt teilt Stefan Keller gegen das Bundesstrafgericht und die Bundesanwaltschaft heftig aus. (Archivbild)

Nach seinem Rücktritt teilt Stefan Keller gegen das Bundesstrafgericht und die Bundesanwaltschaft heftig aus. (Archivbild)

Keystone

Stefan Keller war im Mai als ausserordentlicher Bundesanwalt zurückgetreten. Dies nachdem ihn die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts im Verfahren gegen Fifa-Präsident Gianni Infantino für befangen erklärt hatte.

Nun erhebt Stefan Keller im Interview mit der NZZ schwere Vorwürfe. Zwei von drei Mitgliedern des Richterkollegiums in Bellinzona gehörten der Zürcher SVP und damit derselben Partei an wie Infantinos Verteidiger. Da seine Untersuchungen auch das Gericht in Bellinzona selber betroffen hätten, habe dort ein Interesse bestanden, ihn kaltzustellen, sagt Keller. Dies weil die Richter vor der Wiederwahl diesen Herbst stünden.

«Die Behinderung hatte wohl System»

Auch die Bundesanwaltschaft, für welche Stefan Keller eigentlich arbeiten sollte, kritisiert der Ex-Sonderermittler hart. So habe ihm diese angeforderte Akten im Fifa-Verfahren vorenthalten. «Die Behinderung hatte wohl System», sagt Keller in dem am Montag publizierten Interview weiter. Offenbar sei die Bundesanwaltschaft nicht bereit, die vergangenen Jahre aufzuarbeiten.

Hintergrund der Affäre um den Weltfussballverband (Fifa) sind nicht protokollierte Treffen zwischen Gianni Infantino und dem ehemaligen Bundesanwalt Michael Lauber. Dieser ermittelte wegen Korruption im Weltfussball. Stefan Keller sollte als erster direkt vom Parlament eingesetzter, ausserordentlicher Bundesanwalt klären, ob sich der Ex-Bundesanwalt strafbar gemacht hatte. Gleichzeitig führte Keller gegen Infantino auch ein Verfahren wegen Anstiftung zu Amtsmissbrauch, Amtsgeheimnisverletzung und Begünstigung. Gegen Lauber, Infantino und weitere Personen waren mehrere Strafanzeigen gestellt worden.

Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe bislang alle zurück. Zudem gilt für sie die Unschuldsvermutung. Und: Sie haben sich bislang nicht zu den jüngsten Vorwürfen von Sonderermittler Keller geäussert.

«Misstrauen in die Unparteilichkeit»

Am 5. Mai verbot die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts in Bellinzona Stefan Keller weiter zu ermitteln. Dies weil er befangen sei. Begründet wurde dies damit, dass der Sonderermittler Verfahrensinterna veröffentlicht habe, was Anlass zu «Misstrauen in die Unparteilichkeit» gegeben habe. Kellers Nachfolge ist noch nicht geklärt, es gibt nur wenige Interessenten. Bis dahin liegen die Verfahrensakten bei dem von der Aufsichtsbehörde der Bundesanwaltschaft (AB-BA) eingesetzten ausserordentlichen Staatsanwalt Ulrich Weder.

Bereits in seinem Rücktrittsschreiben an das Parlament hatte Stefan Keller den Entscheid des Bundesstrafgerichts scharf kritisiert. Er sehe sich wegen der Besetzung des Bundesstrafgerichts ausserstande, seine Ermittlungen fortzusetzen, schrieb er damals in einer Mitteilung. Nun präzisiert Keller, der eigentlich als Präsident am Ober- und Verwaltungsgericht des Kantons Obwalden amtet, seine damalige Pauschalkritik. Er war letzten September vom Parlament als erster ausserordentlicher Bundesanwalt gewählt worden.

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