Historische Aufarbeitung
«Zum Mohrenkopf » – Zeichen des Rassismus im öffentlichen Raum der Stadt Zürich sollen verschwinden

Im öffentlichen Raum sind koloniale und rassistische Zeichen vielerorts noch sichtbar. Der Zürcher Stadtrat möchte diese nun unter die Lupe nehmen. Drei rassistische Bezeichnungen an städtischen Liegenschaften im Niederdorf werden noch dieses Jahr entfernt.

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«Zum kleinen Mohrenkopf»: Diese Bezeichnung an der Predigergasse 15 im Niederdorf soll verschwinden.

«Zum kleinen Mohrenkopf»: Diese Bezeichnung an der Predigergasse 15 im Niederdorf soll verschwinden.

zvg/Stadt Zürich

(rwa) Für die Stadtzürcher Regierung ist klar: Rassismus darf nicht toleriert werden. Rassistischen Zeitzeichen im öffentlichen Raum sollen entfernt, aufgearbeitet oder kontextualisiert werden. Das hat sie am Donnerstag beschlossen. Damit folgt sie Empfehlungen einer Projektgruppe. Auslöser waren zahlreiche Schreiben aus der Bevölkerung.

Vor allem im Niederdorf gebe es Inschriften von Hausnamen und Wandbilder, die einen Bezug zu Kolonialismus und Anti-Schwarzen-Rassismus hätten und Teil der Stadtgeschichte seien, heisst es in einer Mitteilung. Drei rassistische Bezeichnungen an städtischen Liegenschaften möchte der Stadtrat noch dieses Jahr entfernen. Konkret geht es um Häuser mit der Bezeichnung «Mohrenkopf» respektive «Mohrentanz». Nicht immer sollen die Zeichen jedoch entfernt werden. Der Stadtrat will den Umgang im Einzelfall sorgfältig prüfen.

Die Hausnamen-Inschriften, die rassistische Begriffe enthalten, sollen bei zwei Liegenschaften in städtischem Besitz entfernt werden: «Zum Mohrenkopf» an der Liegenschaft Neumarkt 13 im Niederdorf.
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Ebenfalls entfernt werden soll die Hausnamen-Inschrift «Zum Mohrenkopf» an der Predigergasse 15 im Niederdorf.
Die Bezeichnung «zum kleinen Mohrenkopf» auf einer an der Predigergasse 15 angebrachten Plakette soll angepasst werden.

Die Hausnamen-Inschriften, die rassistische Begriffe enthalten, sollen bei zwei Liegenschaften in städtischem Besitz entfernt werden: «Zum Mohrenkopf» an der Liegenschaft Neumarkt 13 im Niederdorf.

zvg/Stadt Zürich

Wenig Einfluss hat er bei Objekten und Liegenschaften in privatem Besitz, weil es für diesen Fall keine Rechtsgrundlagen gibt. Die Stadt will aber aktiv auf private Hauseigentümer zu gehen, um sie für das Thema zu sensibilisieren und im Sinne des öffentlichen Interesses mit dem städtischen Vorgehen gleichzuziehen.

Kontextualisierung und Aufarbeitung weiterer Objekte

Gewisse Objekte können aufgrund ihrer Grösse, ihres historischen Kontexts oder anderen Interessen nicht entfernt werden. Sie sollen kontextualisiert, umgestaltet oder künstlerisch erweitert werden. Dies trifft beispielsweise auf die Darstellungen in der denkmalgeschützten Aula des städtischen Schulhauses Hirschengraben zu. Sie repräsentieren die im 19. Jahrhundert weit verbreitete exotisierende Zurschaustellung «fremder Völker». Der Stadtrat will nun Massnahmen prüfen, damit diese nicht als unhinterfragte Normalität stehen bleiben.

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