AstraZeneca/Johnson & Johnson
Seltene Hirnvenenthrombose nach Impfung: Mittlerweile überlebt die Mehrheit

In sehr seltenen Fällen kommt es nach dem Piks mit den Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson zur Verstopfung der Hirnvenen. In 61 Prozent dieser Fälle führte dies anfänglich zum Tod. Dank Therapien sinkt die Sterblichkeit.

Peter Walthard
Drucken
Teilen
Der Impfstoff Janssen kann in sehr seltenen Fällen tödliche Hirnschläge verursachen. (Symbolbild)

Der Impfstoff Janssen kann in sehr seltenen Fällen tödliche Hirnschläge verursachen. (Symbolbild)

Keystone

Dass die Impfstoffe der Hersteller AstraZeneca und Johnson & Johnson in seltenen Fällen eine Hirnvenenthrombose verursachen können, wurde nach der Zulassungsempfehlung durch die europäische Arzneimittelbehörde Ema im Frühjahr 2021 bekannt. In den meisten Fällen endete die Komplikation mit dem Tod der Betroffenen. In der Zwischenzeit sei die Sterblichkeit aber von 61 auf 42 Prozent gesunken, meldete die Berner Insel-Gruppe am Dienstag. Sie hatte zusammen mit der Universität Bern die Co-Projektleitung an einem entsprechenden internationalen Forschungsprojekt inne.

Dieses habe gezeigt, dass vor allem jene Patientinnen und Patienten einen schweren Verlauf hätten, bei denen die Impfung zu einem Mangel an Blutplättchen führt. In dieser Gruppe erlitten 68 Prozent der mit Nebenwirkungen ins Spital eingelieferten Personen Hirnblutungen, und fast die Hälfte starb im Spital. Die Verbindung von Blutplättchenmangel und Thrombosen wird darauf zurückgeführt, dass bei manchen Personen nach der Impfung Antikörper gegen einen körpereigenen Blutplättchenfaktor gebildet werden, was zu einer bisweilen lebensgefährlichen Verklumpung der Blutplättchen führt.

Die Insel-Studie zeigt nun, dass angepasste Therapien die Sterblichkeit senken. Dazu gehören ein Austausch des Blutplasmas und der Einsatz von Immunoglobinen. «Dank dem so gewonnenen, detaillierten Profil könnte es künftig möglich sein, diese besonders gefährdete Gruppe noch früher zu erkennen und so die Sterblichkeit durch eine gezielte Therapie weiter zu senken», sagt Marcel Arnold, Chefarzt der Universitätsklinik für Neurologie laut der Mitteilung. Weltweit seien für die Studie 116 Fälle von Hirnvenenthrombosen nach einer Covid-Impfung analysiert worden, heisst es in der Mitteilung weiter. 78 der Personen seien an einer Thrombose mit Blutplättchenarmut erkrankt.

Frauen stärker betroffen als Männer

Verschiedene EU-Länder hatten im Frühjahr die Impfung mit dem AstraZeneca-Produkt gestoppt, die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) kam aber zum Schluss, dass das Risiko vom positiven Nutzen der Impfung aufgewogen werde. Fälle von Thrombosen seien sehr selten und beträfen meist Frauen unter 55 Jahren, so der EMA-Bericht.

Der voraussichtlich ab dem 5. Oktober in der Schweiz eingesetzte Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gehört zu den sogenannten Vektorimpfstoffen und beruht auf dem gleichen Mechanismus wie das AstraZeneaca-Vakzin. Wie bei den in der Schweiz hauptsächlich verwendeten Impfstoffen von Moderna und Pfizer/Biontech entsteht der Immunschutz dadurch, dass körpereigene Zellen das Spike-Protein des Coronavirus produzieren und damit eine Reaktion des Immunsystems provozieren. Während der Bauplan für dieses Spike-Protein bei diesen Impfstoffen über manipulierte Messenger-RNA transportiert wird, geschieht dies bei den sogenannten Vektorimpfungen über ein gentechnisch verändertes Virus.

Auch das teilweise in südosteuropäischen Staaten verimpfte und in der Schweiz nicht anerkannte russische Produkt Sputnik V basiert auf diesem Prinzip. Herkömmliche Impfungen mit deaktivierten Originalviren sind in der Schweiz nicht zugelassen.

Aktuelle Nachrichten