Bistum Chur
Für maximal drei Jahre: Papst Franziskus ernennt neuen Bischof

Chur hat wieder einen Bischof: Papst Franziskus ernennt Joseph M. Bonnemain zum neuen Vorsteher des Bistums. Aufgrund seines Alters darf er jedoch höchstens drei Jahre regulär im Amt bleiben.

Samuel Thomi
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Der neue Bischof des Bistums Chur: Joseph M. Bonnemain, derzeit zuständig für die Beziehungen zu den Landeskirchen.

Der neue Bischof des Bistums Chur: Joseph M. Bonnemain, derzeit zuständig für die Beziehungen zu den Landeskirchen.

HO

In einer Mitteilung des Bistums vom Montag gratuliert der Apostolische Administrator des Bistums Joseph M. Bonnemain zur Ernennung und wünscht ihm für sein neues Amt Gottes Segen. Bischof Peter Bürcher, Weihbischof Marian Eleganti und der neu ernannte Bischof wollen demnach «als Zeichen der Einheit» um 18 Uhr in der Kathedrale in Chur eine Eucharistie für die Anliegen der Menschen im Bistum feiern.

Der 72-jährige Bonnemain ist derzeit im Bistum Chur zuständig für die Beziehungen zu den Landeskirchen. Gemäss Kirchenrecht muss er in drei Jahren dem Papst seinen Rücktritt anerbieten. Er ist somit ein Übergangsbischof.

Jahrelanges Tauziehen um Ausrichtung des Bistums

Der Ernennung durch Papst Franziskus war ein Tauziehen um die künftige Ausrichtung des Bistums Chur vorausgegangen. Noch im vergangenen November konnten sich die 22 Domherren nicht auf einen neuen Bischof einigen. In dem Wahlgremium halten sich Konservative und Moderate ungefähr die Waage. Sie verzichteten in der Folge auf eine Wahl. Joseph M. Bonnemain war bereits damals einer von drei Kandidaten.

Vitus Huonder hatte in seiner Amtszeit, die im Mai 2019 nach zwölf Jahren endete, immer wieder für Schlagzeilen gesorgt – sei es mit schwulenfeindlichen Zitaten aus der Bibel oder mit einer strikten Haltung gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten. Huonder mit seiner strikt an der Kirchenlehre orientierten Haltung stiess damit viele Gläubige vor den Kopf. Auch der aktuelle Übergangsbischof Peter Bürcher zog mit Personalentscheiden wie der Entlassung von Martin Kopp, Generalvikar der Urschweiz, viel Unmut auf sich.

In Spanien aufgewachsen, seit Jahren in Zürich aktiv

Der neue Churer Bischof ist in Spanien als Auslandschweizer aufgewachsen, studierte dann in Zürich Medizin und später in Rom Philosophie und Theologie. Seit 1985 wirkt er unter anderem am Spital Limmattal als Spitalseelsorger. Er wohnt in Zürich. Nun übernimmt er die Leitung des 700'000 Gläubige zählenden Bistums Chur. Es umfasst die Kantone Graubünden, Schwyz Uri, Glarus, Obwalden, Nidwalden und Zürich.

Mit der nun erfolgten Ernennung Bonnemains tritt zudem Bischof Elegantis Emeritierung in Kraft, wie das Bistum mitteilt. Es dankt dem Weihbischof für seine «langjährigen, geschätzten und wertvollen Dienste».

Kampf den «Spannungen, Spaltungen, Polarisierungen»

In einem Grusswort an die Gläubigen spricht Bonnemain «Spannungen, Spaltungen, Polarisierungen» an, «die wir – Gott weiss es – wahrhaftig nicht leisten können». Die Menschen bräuchten gerade in der aktuellen Pandemie-Zeit, Geschwisterlichkeit und Hoffnung. «Und sie erwarten – völlig zu Recht – dass die Kirche hier ein Vorbild ist.» Es gebe viel zu tun.

Was genau, will der neue Churer Bischof allerdings erst nach seiner offiziellen Amtseinsetzung und der damit verbundenen Bischofsweihe sagen. Das Datum dazu ist laut Bistum allerdings noch nicht festgelegt. Bis dahin leitet weiterhin der Apostolische Administrator die Diözese.