Kantonale Abstimmungen
Nein zu Liberalisierungen im Detailhandel: Nicht mehr Sonntagsverkäufe in Bern – Zug stimmt gegen längere Öffnungszeiten

In den Kantonen Bern und Zug ist am Sonntag über Ausweitungen der Verkaufszeiten abgestimmt worden. Zweimal sagte das Stimmvolk deutlich Nein zu Liberalisierungen im Detailhandel.

Samuel Thomi
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Das Stimmvolk hat entschieden: Im Bahnhof Bern darf weiter täglich eingekauft werden, im übrigen Kanton sonntags nur zwei mal.

Das Stimmvolk hat entschieden: Im Bahnhof Bern darf weiter täglich eingekauft werden, im übrigen Kanton sonntags nur zwei mal.

Bild: Keystone

Im Kanton Bern bleibt es bei zwei Sonntagsverkäufen pro Jahr: Das hat die Stimmbevölkerung am Sonntag mit deutlichen 72,9 Prozent entschieden. Ebenfalls Teil der vom Volk angenommenen Vorlage ist ein schärferer Jugendschutz bei elektronischen Raucherwaren. Für E-Zigis gelten im Bernbiet damit neu dieselben Vorschriften wie für herkömmliche Raucherwaren.

Hinter dem Referendum gegen das liberalisierte kantonale Gesetz über Handel und Gewerbe standen die Gewerkschaften. Im Abstimmungskampf stellten sich dann auch SP, Grüne, EVP und EDU gegen zwei zusätzliche Sonntagsverkäufe. In der Variantenabstimmung für die Hauptvorlage warben die grossen bürgerliche Parteien und die Wirtschaftsverbände. Auch Kantonsparlament und Kantonsregierung befürworteten vier statt zwei Sonntagsverkäufe. Die Regierung bedauerte in einer Stellungnahme vom Sonntag das Volks-Nein. Die zwei zusätzlichen Sonntagsverkäufe hätten den Detailhandel konkurrenzfähiger machen sollen. Dieser stehe durch den Online-Handel und den Einkaufstourismus unter Druck.

Keine Stunde länger einkaufen in Zug

Gegen eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten hat sich am Sonntag auch die Bevölkerung des Kantons Zug gestellt. 65,24 Prozent der Stimmberechtigten lehnten eine Volksinitiative ab, die eine Verlängerung der Öffnungszeiten um eine Stunde pro Tag vorsah.

Hinter der entsprechenden Volksinitiative «1+» standen die bürgerlichen Jungparteien und die Jungpartei der GLP. Derzeit können Zugerinnen und Zuger werktags bis 19 Uhr und samstags bis 17 Uhr einkaufen. Eine komplette Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten, wie dies die Zuger Kantonsregierung als Gegenvorschlag zur «1+»-Initiative vorgeschlagen hatte, lehnte das Kantonsparlament allerdings bereits im letzten Herbst ab.

Gewerkschaften warnen vor Sonntagsöffnungen im Covid-19-Gesetz

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) reagierte am Sonntag erleichtert über die beiden abgelehnten Liberalisierungen von Ladenöffnungszeiten. Studien zeigten, dass Sonntagsöffnungen oder längere Öffnungszeiten keinen zusätzlichen Umsatz bringen würden, schreibt der SGB. Sie erhöhen nur die Arbeitsbelastung für das Verkaufspersonal.

Zudem wertet der SGB die Abstimmungsergebnisse als Wink an den Nationalrat, kommende Woche die Sonntagsöffnungen auf Bundesebene nicht wie geplant in das Covid-19-Gesetz aufzunehmen. «Das Signal ist sehr deutlich», schreibt der Schweizerische Gewerkschaftsbund: «Es gibt keine Mehrheit an den Urnen für mehr Sonntagsarbeit.»

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