Nach Ausschreitungen
Polizeidirektoren wollen Ausweispflicht in Fussballstadien

Ohne Ausweiskontrolle und Registration soll niemand mehr ein Super-League-Spiel besuchen dürfen. Diese Forderung wird von den kantonalen Polizeidirektoren einstimmig erhoben.

Peter Walthard
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Nach den erneuten Ausschreitungen im Letzigrund zieht die Politik eine härtere Gangart in Betracht.

Nach den erneuten Ausschreitungen im Letzigrund zieht die Politik eine härtere Gangart in Betracht.


Andy Mueller/freshfocus

Die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren fordert die Bewilligungsbehörden auf, flächendeckend eine ID-Pflicht für Fussballspiele der Super League einzuführen. Die Aufforderung wurde am Freitag an der Herbstversammlung der KKJPD einstimmig beschlossen. «Wir wollen wissen, wer im Stadion ist», erklärte der Luzerner Justiz- und Sicherheitsdirektor Paul Winiker gegenüber CH Media. Das sei Grundvoraussetzung für die Umsetzung bestehender Massnahmen wie Rayon- und Stadionverbot und habe ein starke präventive Wirkung.

Die Ausweise sollen dabei nicht nur stichprobenweise kontrolliert werden: Ausnahmslos alle Besucherinnen und Besucher sollen am Stadioneingang identifiziert und registriert werden, so Winiker. Die Erfahrung mit dem Covid-Zertifikat zeige, dass dies technisch problemlos möglich sei. «Seit der Einführung der Zertifikatspflicht kann niemand mehr behaupten, das sei in der Praxis nicht umsetzbar.»

Rechtlich bindend ist die Aufforderung der KKJPD nicht. Über die Einführung der ID-Pflicht entscheiden die für die Bewilligung der Spiele zuständigen Behörden in den Kantonen und Städten. Die neue Praxis brauche auch keine Änderung des 2007 von der KKJPD ins Leben gerufenen und 2012 verschärfte Hooligan-Konkordats. Dieses sehe die Option einer Ausweispflicht bereits vor, so Winiker.

Feuerwerkskörper auf unbeteiligte Fans

Die Forderungen nach einem massiveren Vorgehen gegen Hooligans hatte im Oktober neuen Antrieb erhalten, nachdem FCZ-Fans nach dem Derby gegen GC im Zürcher Letzigrund Feuerwerkskörper auf unbeteiligte Fans der gegnerischen Mannschaft abgefeuert hatten. Wie später bekannt wurde, hatten die Hooligans für ihre Attacke sogar eine Leiter ins Stadion gebracht.

KKJPD-Präsident Fredy Fässler hatte gegenüber CH Media die Ausschreitungen aufs Schärfste verurteilt. Man müsse sie zum Anlass nehmen, um mit noch grösserer Verbindlichkeit gesamtschweizerische Lösungen zu diskutieren. Das Konkordat biete zwar genügend polizeiliche Instrumente, diese würden aber nicht alle eingesetzt. «Es mangelt aber an einem einheitlichen Vollzug des Konkordats.»

Eine Taskforce mit Vertretern von Polizei, Vereinen und Fanorganisationen solle daher bis im Frühling mögliche Lösungen evaluieren. Fässler dachte dabei an eine Ausweispflicht und Kombitickets oder allenfalls wirksame Alternativen im Bereich der Fantransporte.

Verband zog Schliessung von Gästesektoren in Betracht

Bereits davor hatte auch Bundesrätin Viola Amherd personalisierte Tickets und strikte Stadionverbote ins Spiel gebracht. Die Swiss Football League dachte gar über die Schliessung von Gästesektoren nach.

Die KKJPD tagte am Donnerstag und Freitag in Mendrisio. Bereits am Donnerstag stattgefunden hat ein Austausch mit den Bundesräten Karin Keller-Sutter und Ueli Maurer und dem Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV), Christian Bock. Dabei sei es unter anderem um die Transformation der EVZ on ein Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit gegangen, so die Mitteilung.

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