Kriminalität
Fahndung in den Genen: Kommission fordert mehr Augenmass bei umstrittener Ermittlungsmethode

Bei Verbrechen sollen Ermittler in Zukunft mehr Informationen aus einer DNA-Spur herauslesen dürfen. Anders als der Nationalrat möchte die Rechtskommission des Ständerates die neue Methode jedoch auf wenige Delikte beschränken.

Reto Wattenhofer
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Ziel der Revision ist es, dass mehr Verbrechen aufgeklärt werden. (Symbolbild)

Ziel der Revision ist es, dass mehr Verbrechen aufgeklärt werden. (Symbolbild)

Keystone

Die heutige Praxis ist klar: Werden an einem Tatort Blut, Haare oder Sperma gefunden, dürfen Ermittler nur das Geschlecht der Person herauslesen und im Informationssystem prüfen, ob die Spur einen Treffer liefert. Theoretisch könnte mittels der sogenannten Phänotypisierung jedoch viel mehr über das Äussere eines Täters aus dem Erbgut herausgelesen werden. Unsere DNA liefert etwa auch Informationen dazu, wie alt wir sind oder welche Haar-, Haut- oder Augenfarbe wir haben.

Der Bundesrat will diese Informationen künftig für die Aufklärung schwerer Verbrechen nutzen. Nach einer kontroversen Debatte sprach sich der Nationalrat in der Frühjahrssession für die Revision aus. Skeptischer zeigt sich nun die ständerätliche Rechtskommission. Ihrer Ansicht nach stellen die neuen Ermittlungsmethoden weitgehende Eingriffe in die Grundrechte dar. Sie möchte den Einsatz daher auf wenige Delikte beschränken, wie die Parlamentsdienste am Mittwoch mitteilten.

Die Kommission beschloss mit 8 zu 3 Stimmen, die Phänotypisierung nur auf die Aufklärung von schweren Gewaltverbrechen gegen Leib und Leben sowie einiger weniger weiterer Delikte wie Raub zu beschränken. Der Nationalrat hatte es noch abgelehnt, einen abschliessenden Deliktskatalog zu definieren.

Biogeografische Herkunft bleibt im Gesetz

Nicht rütteln möchte die ständerätliche Kommission an der Zahl der Merkmale. Neben der Augen-, Haar- und Hautfarbe sowie dem Alter soll künftig auch die mögliche «biogeografische Herkunft» – also aus welcher Region die biologischen Vorfahren einer Person stammen – eruiert werden dürfen. Im Nationalrat war das bei SP und Grüne auf viel Kritik gestossen.

Explizit geregelt wird im Gesetz neu auch der sogenannte Suchlauf nach Verwandtschaftsbezug. Meldet die DNA-Datenbank keinen Treffer und sind alle Ergebnisse erfolglos geblieben, kann eine erweitere Suche durchgeführt werden. Dabei wird geschaut, ob das DNA-Profil einer mit dem Täter verwandten Person zugeschrieben wird. Hier empfiehlt die Rechtskommission ihrem Rat, explizit ins Gesetz zu schreiben, dass der Einsatz der Methode nur in Frage kommt, wenn alle anderen Massnahmen ausgeschöpft sind.

Der Bundesrat setzt mit der Revision eine Motion des verstorbenen Luzerner FDP-Nationalrats Albert Vitali um. Auslöser für den Vorstoss war die brutale Vergewaltigung einer Frau in Emmen. Trotz einer DNA-Spur und jahrelangen Ermittlungen konnte der Täter nicht gefasst werden. Das Instrument der Phänotypisierung wird bereits in verschiedenen Ländern genutzt, ist aber umstritten.

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