Medienethik
Versteckte PR-Aktion des Bauernverbands: Presserat rügt «Schweizer Illustrierte»

Der Bauernlobby bezahlte für eine vierteilige Reportageserie in der «Schweizer Illustrierten». Die Leserschaft erfuhr davon nichts. Ein No-Go, urteilt nun der Presserat.

Reto Wattenhofer
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Bundesrat Guy Parmelin griff für eine umstrittene Aktion von «Schweizer Illustrierte» und Bauernverband in die Tasten.

Bundesrat Guy Parmelin griff für eine umstrittene Aktion von «Schweizer Illustrierte» und Bauernverband in die Tasten.

Ausriss «SI»

«Mehr Schweiz im Teller» hiess letztes Jahr eine Aktion der «Schweizer Illustrierten» («SI»). In vier redaktionellen Beiträgen berichteten Journalisten über die Vorzüge der hiesigen Landwirtschaft. Was für Leser nicht transparent war: Die Aktion war Teil eines Deals des Ringier-Verlags mit der Bauernlobby, zu dem vordergründig Publireportagen und Anzeigen in anderen Ringier-Publikationen gehörten. Sogar Bundespräsident Guy Parmelin liess sich ohne Wissen prominent einspannen. Das haben Recherchen der Redaktion von CH Media von letztem Mai gezeigt.

Die undurchsichtige Aktion hat nun ein Nachspiel. Der Presserat rügt die «SI» und hat die Beschwerde einer Privatperson im wesentlichen Punkt gutgeheissen, wie er am Freitag bekanntgab. Der Beschwerdeführer hatte argumentiert, die Grenzen zwischen Werbung und Journalismus würden vermischt und die Leserschaft in die Irre geführt. Die Beiträge seien vom Schweizer Bauernverband bezahlt, dieser Hinweis fehle jedoch, zudem seien Layout und Gestaltung identisch mit anderen redaktionellen Teilen.

Die «SI» argumentierte, die Artikelserie sei nach einem Interview mit Landwirtschaftsminister Guy Parmelin entstanden. Die vier Porträts seien nach rein journalistischen Kriterien verfasst worden. Weder der Bauernverband noch Agro-Marketing Suisse hätten inhaltliche Änderungen vorgenommen, betonte die Zeitschrift. Zudem sei farblich hervorgehoben worden, dass es sich um eine Aktion in Zusammenarbeit mit den beiden Organisationen handle.

Es flossen 300'000 Franken

Diese Argumentation lässt der Presserat nicht gelten. Die «SI» habe gegen die Trennung von redaktionellem Teil und Werbung verstossen, heisst es in der Stellungnahme. Der Verweis auf «in Zusammenarbeit» reiche für eine klare Abgrenzung nicht aus. Das habe der Presserat in der Vergangenheit bereits mehrmals festgestellt. Wortgebilde wie «in Kooperation mit...», welche die Geschäftsbeziehung verschleiern, sollten durch den unmissverständlichen Begriff «Werbung» ersetzt werden.

Nach Ansicht des Presserates ist davon auszugehen, dass bei der Aktion Geld geflossen sei. Aus den Akten gehe hervor, dass das Projekt von Agro-Marketing Schweiz mit 300'000 Franken finanziert worden sei. Ein weiterer Hinweis auf ein Verstoss ist für den Presserat die explizite Erklärung, dass die Artikel als Publireportagen in anderen Ringier-Medien weiterverwendet werden sollte. Das lasse darauf schliessen, dass es sich bei den Beiträgen in der SI ebenfalls um Publireportagen handle – «also um bezahlten Inhalt beziehungsweise um Werbung» –, urteilt der Presserat. Sein Fazit: «Redaktionelle Beiträge und Werbung müssen ohne Ausnahme strikt getrennt sein.»

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