Medienkonsum
Wegen Lockdown interessieren sich Eltern mehr für die Online-Tätigkeit ihrer Kinder

Im Frühling 2020 haben Jung und Alt mehr Zeit online verbracht. Welche Auswirkungen das auf die Medienerziehung der Eltern und die digitalen Kompetenzen hatte, zeigt nun eine neue Studie.

Dario Pollice
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Ein Drittel der Eltern verstärkte ihre Kontrolle über die digitalen Aktivitäten der Kinder, wie eine Studie zeigt.

Ein Drittel der Eltern verstärkte ihre Kontrolle über die digitalen Aktivitäten der Kinder, wie eine Studie zeigt.

Bild: Keystone

Als die Pandemie letzten März ausbrach, gab der Bundesrat die Weisung: «Bleiben Sie zu Hause». Und das tat die Bevölkerung grösstenteils auch: Eltern arbeiteten im Homeoffice, die Kinder hatten Fernunterricht und mit den Grosseltern wurde über Video telefoniert. Wie diese neue Situation den Medienalltag von 10- bis 18-jährigen Kindern, Jugendlichen und deren Eltern verändert hat, zeigt nun eine am Donnerstag veröffentlichte Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Demnach verbrachten die Familien deutlich mehr Zeit mit digitalen Medien und im Internet als in der Zeit vor dem Lockdown. Mehr als die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen nutzte Smartphones, Computer oder Laptops und Messenger-Apps häufiger. Einerseits für die Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten, aber auch als Zeitvertreib. «Zudem wurden digitale Geräte auch vermehrt für schulische Zwecke genutzt», lässt sich Lilian Suter, Mitautorin der Studie, zitieren.

Eltern kontrollieren Browserverlauf der Kinder

Als Reaktion auf die intensivere Mediennutzung hätten die Eltern ihre Medienerziehung verstärkt. So interessierten sich 44 Prozent der Eltern häufiger als vor dem Lockdown dafür, was ihr Kind online macht. Ein Drittel intensivierte zudem die Kontrolle der Online-Aktivitäten des Kindes und kontrollierte etwa den Browserverlauf. «Da Kinder und Eltern vermehrt Zeit zuhause verbrachten, gab es auch mehr Raum für medienerzieherische Massnahmen», wird ZHAW-Forscher Gregor Waller in der Mitteilung zitiert.

Die Studie zeigt, wie sich das Medienerziehungsverhalten der Eltern veränder hat im Lockdown.

Die Studie zeigt, wie sich das Medienerziehungsverhalten der Eltern veränder hat im Lockdown.

ZHAW

Die Studienautoren äussern dabei die Hoffnung, dass die Eltern dieses verstärkte Engagement in der Medienerziehung weiterführen. «Ihre aktive Begleitung ist wichtig, damit ihre Kinder digitale Medien sicher und verantwortungsvoll nutzen können», lässt sich Martina Robbiani vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) zitieren.

Grösseres Wissen über Privatsphäre-Einstellungen

Der verstärkte Einsatz von digitalen Medien hat gemäss der Studie dazu geführt, dass die digitalen Kompetenzen der Familienmitglieder zugenommen haben. Dabei wurden Verbesserungen im Umgang mit Videokonferenzen genannt, aber auch beim Wissen über Privatsphäre-Einstellungen in sozialen Netzwerken und beim Teilen privater Informationen.

Für die Studie wurden 480 Eltern und ihre Kinder befragt. Die Studie ist Teil des länderübergreifenden Projekts, an dem insgesamt 15 europäische Länder beteiligt sind. Finanzielle Unterstützung erhielt die Studie vom BSV.

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