Nach Lauberhornabsage
Wengen: Kantonsärztin ist zuversichtlich, den Hotspot in den Griff zu bekommen

Drei Wochen nach Ausbruch mit der britischen Mutation in Wengen zeigt sich die Berner Kantonsärztin zuversichtlich, den Hotspot in den Griff zu bekommen. Und sie befürwortet weitere Massnahmen an Schulen.

Samuel Thomi und Gina Kern
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«Es ist für uns sicher ein Hotspot», sagt die Berner Kantonsärztin Linda Nartey über Wengen. «Aber es dürfte nicht der Einzige sein.»

«Es ist für uns sicher ein Hotspot», sagt die Berner Kantonsärztin Linda Nartey über Wengen. «Aber es dürfte nicht der Einzige sein.»

Keystone

Seit drei Wochen kämpft der Kanton Bern in Wengen gegen einen äusserst heftigen Ausbruch der Coronapandemie. Dieser war denn auch der Grund für die kurzfristige Absage der diesjährigen Lauberhornrennen. Gegenüber Radio SRF zog die bernische Kantonsärztin Linda Nartey am Montag ein positiv verhaltenes Fazit: «In Wengen haben wir die Ausbreitung gut nachverfolgen können», sagte sie im «Tagesgespräch». An anderen Orten im Kanton beginne man nun erst genauer hinzuschauen.

Bis Sonntag sind demnach in dem bei Briten äusserst beliebten Wintersportort im Berner Oberland knapp tausend Personen getestet worden. Bei dem Massentests wurden bislang 7 bis dahin unbekannte Coronafälle entdeckt. Noch offen ist, ob die gefundenen Infektionen durch die neuartige Mutation aus Grossbritannien verursacht worden sind. Wie Linda Nartey sagte, sollen nun weitere Leute auch in benachbarten Ortschaften wie Lauterbrunnen getestet werden.

Lauberhorn-Absage war auch im Nachhinein richtig

«Es ist für uns sicher ein Hotspot», sagte die Berner Kantonsärztin. «Aber es dürfte nicht der Einzige sein.» Man habe die Situation in Wengen schlicht nicht mehr im Griff gehabt. Doch im Nachhinein bestätigten die gewonnenen Erkenntnissen den Absageentscheid. Die Lauberhornrennen sollen nun kommendes Wochenende in Kitzbühel nachgeholt werden.

«Es gab einen Gast aus Grossbritannien, der sich zu Beginn nicht an die Einreisequarantäne gehalten hat», bestätigte Die Berner Kantonsärztin den bereits vielfach vermuteten Ausbruchsherd. Von diesem Touristen habe sich die Coronamutation dann in zehn Tagen zu fast 60 Personen ausbreiten können. Ob es trotz Schutzmassnahmen zu Übertragungen kam, könne man nicht in jedem Fall sagen. «Die Wahrscheinlichkeit ist aber gross», so Linda Nartey. Im Wesentlichen seien die Ansteckungen jedoch im privaten Rahmen erfolgt. Dort gibt es bekanntlich keine Schutzkonzepte.

Lauberhorn-Chef Urs Näpflin widerspricht

Der Präsident des Lauberhorn-OKs, Urs Näpflin, hat bereits am Sonntagabend in der Sendung «Sportpanorama» von Fernsehen SRF ebenfalls Stellung genommen zum Coronaausbruch. Angesprochen auf die Frage, ob Wengen in dem Zusammenhang nicht etwas unvorsichtig gewesen sei, weist Näpflin jede Verantwortung von sich: «Die Ansteckungen erfolgten an einem bestimmten Ort. Der Skiclub war noch betroffen, da waren auch Kinder dabei.»

Dass Wengen deswegen nun im Fokus der Coronapandemie in der Schweiz stehe, ist für Näpflin auch immer mit einem unterschwelligen Vorwurf verbunden: «Ich hatte nie den Eindruck, dass man sich in Wengen nicht korrekt verhalten hätte», betonte der OK-Chef des Lauberhorns.

Mehrere Kantone schliessen Schulklassen

Nach bald drei Wochen Detektivarbeit äusserte sich Linda Nartey am Montag gegenüber Radio SRF auch generell zur Pandemiebekämpfung in der Schweiz. «Ich bin der Meinung, wir haben eine Chance», so die Vizepräsidentin der Vereinigung der Schweizer Kantonsärzte. Und zwar könne man von Grossbritannien lernen, was bereits im Gang sei. Und auf der Massnahmenseite sähe sie an Schulen auf gewissen höheren Stufen «durchaus Potenzial, weiter zu gehen» mit den Einschränkungen.

Nach verschiedenen lokalen Ausbrüchen mit der britischen Variante des Coronavirus haben dies am Wochenende und am Montag denn auch bereits einige Kantone und Gemeinden getan. So stellte St. Moritz nicht nur zwei Hotels unter Quarantäne, sondern schloss auch gleich alle Schulen inklusive der Skischulen. Und auch im Baselbiet sowie im Thurgau wurden nach Coronaausbrüchen ganze Klassen geschlossen. Bereits am Sonntag hatte zudem das Tessin die Mittelschule Morbio Inferiore für zwei Wochen unter Quarantäne gesetzt. An dieser Schule waren 13 Coronafälle aufgetaucht, zwei davon mit der britischen Mutation.

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