Personalmangel
Zivis sollen zu Zivilschutzeinsatz verknurrt werden

Der Zivilschutz hat ein Nachwuchsproblem. Nun möchte der Bundesrat auf die Bestände des Zivildienstes zugreifen. Der Vorschlag birgt Zündstoff. Keine Thema ist ein Fusion der beiden Organisationen.

Reto Wattenhofer
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Das Zelt steht. Nur: Wo sind die Zivilschützer? Genau vor diesem Szenario warnt der Bundesrat, denn der Dienst hat ein Nachwuchsproblem.

Das Zelt steht. Nur: Wo sind die Zivilschützer? Genau vor diesem Szenario warnt der Bundesrat, denn der Dienst hat ein Nachwuchsproblem.

Keystone

Dem Zivilschutz fehlt zunehmend das Personal. In den letzten Jahren sind die Rekrutierungszahlen gesunken. 2017 wurden noch 3800 Dienstpflichtige rekrutiert. Um den Bestand langfristig zu sichern, braucht es jährlich jedoch 6000. Nun will der Bundesrat rasch Gegensteuer geben. Am Mittwoch hat er die Verwaltung damit beauftragt, bis nächsten Sommer eine Gesetzesvorlage mit Massnahmen zu erarbeiten.

Die Stossrichtung hat er schon mal vorgegeben. Seine Vorschläge bergen Zündstoff: Wer Zivildienst leistet, soll künftig verpflichtet werden können, einen Teil seiner Dienstpflicht in einer Zivilschutzorganisation mit dauerndem Unterbestand zu absolvieren. Dadurch könne das Rekrutierungsproblem des Zivilschutzes stark entschärft werden, heisst es in einer Mitteilung des Verteidigungsdepartements (VBS).

Kein Zivilschutz mehr am Wohnort

Mit der Annäherung des Zivilschutzes an den Zivildienst erhöht der Bundesrat auch die Rufe der Kantone. Die Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr wollte indes noch weiter gehen. 2019 brachte sie die Fusion zwischen Zivildienst und Zivilschutz ins Spiel. Auch die sicherheitspolitische Kommission des Ständerates wälzte entsprechende Pläne, liess die Idee dann aber wieder fallen.

Der Bundesrat schlägt aber auch Massnahmen für den Zivilschutz vor. Um das Potenzial besser auszuschöpfen, soll eine Zuteilung in Abweichung vom Wohnortsprinzip geprüft werden. Heute können die Kantone Schutzdienstpflichtige bis 2025 bis zum 40. Altersjahr einteilen und auch auf einen interkantonalen Personalpool zugreifen.

Der Bundesrat sieht weiter vor, dass Militärdiensttaugliche, welche die Rekrutenschule nach dem 25. Altersjahr noch nicht absolviert haben, künftig schutzdienstpflichtig werden. Wer zudem nach der RS dienstuntaglich wird, soll für den Zivilschutz verpflichtet werden.

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