Psychische Gesundheit
Doppelt so viele Suizidversuche: Kinderspital Zürich schlägt Alarm

Das Kinderspital Zürich verzeichnet doppelt so viele Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen als vor der Pandemie. Der Chefpsychologe spricht von einer «katastrophalen Versorgungslage».

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Am Kinderspital Zürich wurden vergangenes Jahr 49 Kinder nach Suizidversuchen behandelt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Am Kinderspital Zürich wurden vergangenes Jahr 49 Kinder nach Suizidversuchen behandelt – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Bild: Keystone

(gb) Am Kinderspital der Universität Zürich zeigen sich die Folgen der Pandemiemassnahmen auf die psychische Gesundheit der Jugendlichen. 2020 behandelte das Spital 49 Kinder nach Suizidversuchen. 2019 waren es noch 21. Dies sagt der Chefpsychologe des Zürcher Kinderspitals, Markus Landolt, in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Allein in den ersten Monaten des laufenden Jahres seien so viele Fälle wie im gesamten Jahr 2019 behandelt worden.

Laut Landolt ist der Zusammenhang mit den Pandemiemassnahmen nicht wissenschaftlich bestätigt, jedoch «höchst wahrscheinlich». Auch Essstörungen haben gemäss dem Arzt stark zugenommen. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wurden doppelt so viele Kinder und Jugendliche wegen Essstörungen eingewiesen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Mehr Mädchen als Knaben betroffen

Das Kinderspital war auf den Anstieg der psychischen Not offenbar nicht vorbereitet. «Wir laufen am Limit», so Landolt in der «NZZ am Sonntag». Ein Teil der Kinder müsse stationär behandelt werden, auch wenn eine ambulante Behandlung angezeigt wäre. «Die Versorgungslage ist katastrophal», so Landolt weiter.

Bei den suizidgefährdeten Kindern handelt es sich laut Landolt meist um über 12-Jährige. Die Mehrheit sei weiblich. «Mädchen internalisieren Probleme viel mehr als Buben, die eher gegen aussen reagieren», so Landolt. Die Betroffenen kämen aus allen sozialen Schichten.

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