Schlechtere Lebensbedingungen
Ungleich betroffen: Pandemie macht Armen und Jungen das Leben schwer

Die Coronakrise trifft vor allem jene, die schon vor der Krise benachteiligt waren. Dies zeigen Statistiken des Bundes. Kaum betroffen ist, wer beim Staat arbeitet.

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Weniger finanzielle Probleme, aber schlechtere Stimmung: Privilegierte arbeiteten in der Krise oft im Homeoffice.

Weniger finanzielle Probleme, aber schlechtere Stimmung: Privilegierte arbeiteten in der Krise oft im Homeoffice.

Keystone

Die Coronakrise trifft nicht alle Bevölkerungsschichten gleich. Dies zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung des Bundesamts für Statistik (BFS). Die negativen Auswirkungen der Krise spüren demnach vor allem Geringverdiener, Ausländer und Junge. Wer einen Hochschulabschluss hat oder beim Staat arbeitet, ist dagegen deutlich weniger betroffen.

Finanziell am heftigsten einstecken mussten im ersten Halbjahr 2021 Personen, die in Gastgewerbe und Beherbergung arbeiten. Mehr als ein Drittel von ihnen musste mit Einkommenseinbussen zurechtkommen. Wer wenig verdient, war zu 19,5 Prozent von Einkommenseinbussen betroffen. Dagegen berichteten nur 4,2 Prozent der Staatsangestellten von Einkommenseinbussen. Grosse Unterschiede gab es auch beim Homeoffice: 72 Prozent der Gutverdiener, aber nur 31,7 Prozent der Geringverdiener konnten von Zuhause aus arbeiten.

Die Jungen sind down, die Alten machen sich kaum Sorgen

Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei der psychischen Gesundheit. Diese war war vor allem bei Personen mit Hochschulabschluss und hohem Lohn beeinträchtigt: In diesen Gruppen sagten rund 45 Prozent, dass sich die Pandemie negativ auf ihre Stimmungslage auswirke. Deutlich weniger Gedanken machen sich Menschen, die in dünn besiedelten Gebieten leben: Hier sahen nur 34,4 Prozent der Personen ihre Stimmung beeinträchtigt. Einen Graben gibt es zwischen den Alten und den Jungen: Nur 26 Prozent der über 65-Jährigen berichteten von negativen Auswirkungen auf die Stimmung. Bei den 16- bis 25-Jährigen sind es 55 Prozent.

Die Lebenszufriedenheit nahm insgesamt deutlich ab. Vor der Krise waren laut BFS-Statistik 40,7 Prozent sehr zufrieden mit ihrem Leben. 2021 waren es noch 36,6 Prozent. Auch Glücksgefühle sind seltener geworden: Waren vor der Pandemie 79 Prozent häufig glücklich, waren es im ersten Halbjahr dieses Jahres 74 Prozent.

Kaum gelitten hat das Vertrauen in das politische System. Nachdem dieses während des partiellen Lockdowns im Frühling 2020 Rekordwerte erreicht hatte, pendelte es sich 2021 auf einem leicht höheren Niveau als vor der Krise ein. Damals hatten 47,5 Prozent angegeben, hohes oder sehr hohes Vertrauen ins System zu haben, im Frühjahr 2020 waren es zeitweise 54 Prozent. (wap)

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