Tichanowskaja in Bern empfangen
Nationalratspräsident bekräftigt Support für weissrussische Opposition

Nationalratspräsident Andreas Aebi hat Belarus' Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja empfangen. Er stützte dabei deren Forderung nach freien Wahlen. Thema war auch eine inhaftierte Doppelbürgerin.

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Nationalratspräsident Andreas Aebi (2.v.l.) empfängt mit dem Ratspräsidium

Nationalratspräsident Andreas Aebi (2.v.l.) empfängt mit dem Ratspräsidium

(sat) Wie das Schweizer Parlament am Dienstag auf Twitter mitteilte, hat eine Delegation des Nationalrats die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja empfangen. Das Parlament ruft in dem Tweet die Behörden von Weissrussland dazu auf, «willkürlich inhaftierte Personen freizulassen». Insbesondere äussert sich die Gruppe um Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP/BE), welche die weissrussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja im Bundeshaus empfangen hat, besorgt über den Fall der belarussisch-schweizerischen Doppelbürgerin Natallia Hersche.

Die 51-Jährige St.Gallerin soll laut Aussagen ihres in der Schweiz wohnhaften Bruders von einem Gefängnis in der Hauptstadt Minsk in eine Frauenkolonie in der belarussischen Stadt Gomel verlegt worden sein. Das Aussendepartement in Bern bestätigte dies am Dienstag gegenüber verschiedenen Schweizer Medien.

Swetlana Tichanowskaja, die verhinderte neue Staatspräsidentin Weissrusslands, war bereits am Wochenende zu einem dreitägigen Staatsbesuch in die Schweiz gereist. Sie lebt seit mehreren Monaten in Litauen im Zwangsexil. Nebst dem Fall Hersche – und der generellen Bitte um Unterstützung im Kampf um freie Wahlen in Weissrussland – wollte Tichanowskaja laut ihrem Umfeld in Bern auch über die Justiz des Autokraten Alexander Lukaschenko sowie über mögliche Geldflüsse des weissrussischen Langzeitherrschers in die Schweiz reden.

Auf der Suche nach möglichen Regimegeldern

Ob auch über weitere Themen gesprochen wurde, dazu macht das Schweizer Parlament in seiner kurzen Mitteilung auf Twitter keine Angaben. Klar ist nur: Wie die EU hat auch die Schweiz bereits gewisse Konten eingefroren und Einreisesperren gegen ein paar hohe belarussische Beamte verhängt, denen Wahlfälschung und besondere Brutalität bei der Niederschlagung des Volksaufstands im Sommer 2020 nachgesagt werden. Doch den EU-Sanktionen schloss sich die Schweiz nur zaghaft und eher spät an.

Die 38-jährige Swetlana Tichanowskaja hatte im vergangenen Sommer aus Liebe und Pflichtgefühl ihren verhafteten Ehemann, den oppositionellen Videoblogger Sergej Tichanowski, als Präsidentschaftskandidatin ersetzt. Zuvor war sie Hausfrau und Englischübersetzerin, wurde deshalb vom Regime nicht ernst genommen und zur Wahl zugelassen.

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