Umweltbewusstsein
Der Schweizer Finanzplatz investiert weiter munter in Kohle und Erdöl

Der Finanzplatz Schweiz soll klimafreundlicher werden, fordert der Bundesrat. Noch tun sich die Unternehmen eher schwer mit dieser Forderung.

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Klimaaktivisten demonstrieren während der Herbstsession auf dem Bundesplatz in Bern.

Klimaaktivisten demonstrieren während der Herbstsession auf dem Bundesplatz in Bern.

Keystone

(mg) Mit Kohle kann man immer noch gut Kohle machen. Das denken sich auch eine Vielzahl der Player auf dem Schweizer Finanzmarkt. Diese haben sich vom Bundesamts für Umwelt (Bafu) in Zusammenarbeit mit dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) freiwillig auf Klimaverträglichkeit testen lassen. Die am Montag veröffentlichte Studie spricht von einer «durchzogenen Klimabilanz». Konkret «investiert der Schweizer Finanzplatz heute viermal mehr Mittel in Firmen, die Strom aus fossilen Quellen wie Kohle und Gas erzeugen, als sie in Produzenten von erneuerbarem Strom investiert», heisst es in der Mitteilung.

Und auch in den Aktien-Portfolios sieht es nicht viel besser aus: «80 Prozent der Teilnehmenden halten Firmen in ihren Portfolien, die Kohle abbauen.» Während also weltweit Bemühungen unternommen werden, um von fossilen Brennstoffen wegzukommen, «unterstützt der Schweizer Finanzplatz im Schnitt einen zusätzlichen Ausbau der internationalen Kohle- und Erdölförderung», so das Bafu. Immerhin: «Es gibt aber auch Fortschritte zu verzeichnen: Verschiedene Finanzinstitute halten vermehrt Firmen in ihren Portfolien, die erneuerbare Energien und Elektromobilität ausbauen.»

Die Politik sieht weiteren Handlungsbedarf

Wie genau es die Finanzdienstleister mit der Selbstkontrolle nehmen, zeigt der Bericht auch auf: «Mehr als die Hälfte der Institute, die eigenen Angaben zufolge Kohle bei ihren Investitionen ausschliessen, halten noch Aktien und Anleihen von Unternehmen, die Kohle abbauen oder Kohlestrom produzieren.» Drei Viertel aller befragten Unternehmen gaben im Rahmen der Studie an, eine «Klimastrategie» zu verfolgen. Damit diese Wirkung zeigen, gibt es laut Bafu aber weiteren «Handlungsbedarf».

Diesen sieht auch die Politik. Es ist das Ziel des Bundesrats, dass «die Schweiz ein führender Standort für nachhaltige Finanzdienstleistungen» wird. Es bedürfe hier, so das Bafu, «noch mehr konkreter Massnahmen der Finanzbranche», damit der Finanzplatz seinen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leiste. Solche Studien würden das ihrige dazu beitragen, schreibt das Bafu. So hätten die Hälfte der 2017 geprüften Unternehmen Massnahmen ergriffen und würden nun im Durchschnitt klimafreundlicher abschneiden als die Konkurrenz.

Etwas gute Nachrichten von der Klimafront gibt es von den Pensionskassen. Diese planen laut dem Bericht die Emissionen in ihrem Immobilienportfolio bis 2030 um 30 Prozent zu verringern. Dies durch Heizungsersatz. Deutlich träger sieht dies bei den Immobilien von institutionellen Anlegern aus. Dort seien weiterhin 70 Prozent aller Gebäude mit Öl oder Gas beheizt und «die Angaben zu Sanierungen sind tief», wie es im Bericht heisst.

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