Umweltschutz
Klimatransparenz: Bundesrat nimmt Finanzplatz ins Gebet

Der Finanzplatz Schweiz soll ein global glaubwürdiger Standort für ökologiebewusste Anleger sein. Dafür möchte der Bundesrat die Branche für mehr Transparenz gewinnen. Allerdings bleibt es vorerst bei Empfehlungen.

Reto Wattenhofer
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Der Paradeplatz ist das Herz des Schweizer Finanzplatzes. Nun soll dieser ökologischer werden.

Der Paradeplatz ist das Herz des Schweizer Finanzplatzes. Nun soll dieser ökologischer werden.

Keystone

Der Plan des Bundesrates ist klar: Die Schweiz soll bei nachhaltigen Finanzanlagen einen internationalen Spitzenplatz einnehmen. Am Mittwoch hat er eine Reihe von Massnahmen beschlossen, um die Transparenz auf dem Finanzplatz zu erhöhen. So empfiehlt er Banken bei allen Finanzprodukten und Kundenportfolios vergleichbare und aussagekräftige Indikatoren zur Klimaverträglichkeit zu schaffen, wie das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) in einer Mitteilung schreibt.

Die Idee: Anlagekundinnen und -kunden soll in einfacher Weise vermittelt werden, wie Finanzprodukte punkto Klimawirkung einzustufen sind. Der Bundesrat denkt dabei an implizite Temperatur-Kennzahlen. Dabei würden die Produktionspläne der in den Portfolios enthaltenen Firmen mit einer Entwicklung verglichen, die nötig ist, um die maximale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Bund soll Umsetzung der Empfehlungen überprüfen

Auch legt der Bundesrat der Finanzbranche nahe, internationalen «Netto-Null Allianzen» beizutreten. Er strebt in dieser Hinsicht zusätzlich Branchenvereinbarungen an. Netto-Null bedeutet, dass global nicht mehr Treibhausgase ausgestossen werden dürfen, als natürliche und technische Speicher aufnehmen können.

Ein Augenmerk legt der Bundesrat auch auf Greenwashing – also dass Bankkunden bei der Beratung und auch über Finanzprodukte über die nachhaltigen Eigenschaften getäuscht werden. Er möchte einheitliche Definitionen von Nachhaltigkeitswirkungen fördern. Dabei soll der Staat möglichst nur subsidiär tätig werden. Das Finanz- und das Umweltdepartement sollen bis Ende 2022 darlegen, inwiefern die Finanzbranche die Empfehlungen umgesetzt hat. Bei Bedarf sollen sie dem Bundesrat Vorschläge für weitere Massnahmen machen.

Bund möchte eigene «Green Bonds»

Der Bund macht selbst bereits einen ersten Schritt. Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen, eine Grundlage für die Ausgabe grüner Staatsanleihen zu erarbeiten. Mittels grüner Anleihen («Green Bonds») kann ein Emittent Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Im Unterschied zu konventionellen Anleihen darf das Kapital aber nicht frei verwendet werden. Es dürfe ausschliesslich für die Finanzierung von Projekten genutzt werden, die positive Auswirkungen auf die Umwelt hätten, heisst es in einer Mitteilung der Finanzverwaltung.

Mit der Emission grüner Anleihen möchte der Bundesrat die Anwendung internationaler Standards in der Schweiz stärken. Das könne dazu beitragen, dass Akteure des Privatsektors zur Ausgabe grüner Anleihen ermutigt würden, argumentiert er.

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