Unmut unter Jugendlichen
St.Galler Sicherheitsdirektor: «Wir haben die jungen Leute tatsächlich etwas vergessen»

Fredy Fässler zeigt bis zu einem gewissen Grad Verständnis für den Unmut der Jugendlichen. Nun sei aber die Gesellschaft gefordert Lösungen zu finden und nicht die Polizei, so der St.Galler Sicherheitsdirektor.

Dario Pollice
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Die Polizei griff in St.Gallen konsequent durch.

Die Polizei griff in St.Gallen konsequent durch.

Bild: Sandro Büchler

Bislang sei im Zusammenhang mit der Coronakrise viel über alte Personen und Restaurants geredet worden. Doch mit den Jugendlichen sei weder ein wirklicher Dialog geführt worden, noch habe man ihre Befindlichkeiten abgeholt, räumt Fredy Fässler gegenüber der «Samstagsrundschau» von Radio SRF ein. «Wir haben die jungen Leute tatsächlich etwas vergessen», sagte der St.Galler Sicherheitsdirektor mit Blick auf die kürzlichen Krawalle von Jugendlichen in seiner Heimatstadt.

Die Polizei könne für Ruhe und Ordnung sorgen, aber es sei nicht ihre Aufgabe, für gesellschaftliche Phänomene Lösungen zu finden. Nun sei die Gesellschaft als Ganzes gefordert, so Fässler.

Der St.Galler Regierungsrat Fredy Fässler ist auch Präsident der kantonalen Justizdirektoren.

Der St.Galler Regierungsrat Fredy Fässler ist auch Präsident der kantonalen Justizdirektoren.

Bild: Ralph Ribi

Der St.Galler Sicherheitsdirektor und Präsident der kantonalen Justizdirektoren will aber auch nicht unkontrolliert die Schranken senken.

«Wir müssen irgendwas organisieren, das die Ansprüche der Jugendlichen, der Gesellschaft und des Virus berücksichtigt. Das wird nicht einfach.»

Fässler: Massnahmen stehen im Einklang mit Polizeigesetz

In der Nacht zum Samstag gab es erneut Aufrufe zu Gewalt und die Polizei markierte Präsenz in der St.Galler Innenstadt. Die Nacht verlief schliesslich ruhig, allerdings hat die Stadtpolizei nach eigenen Angaben rund 90 Personen weggewiesen.

Bereits am Ostersonntag hat die Polizei rund 650 jungen Leuten 30-tägige Wegweisungen ausgestellt – darunter sollen dem Vernehmen nach auch Personen sein, die nicht an den Krawallen teilgenommen hätten. Dies hat eine Diskussion über die Verhältnismässigkeit des Einsatzes angestossen.

Der Rote Platz war einer der Brennpunkte der ersten Krawallnächte.

Der Rote Platz war einer der Brennpunkte der ersten Krawallnächte.

Bild: Raphael Rohner

Vorwurf der Befangenheit

Der St.Galler Sicherheitsdirektor wollte sich zur Verhältnismässigkeit im Radio-Interview nicht äussern. Dies, weil er die eingegangenen Rekurse zu den Wegweisungen bearbeite und sich nicht dem Vorwurf der Befangenheit aussetzen wolle. «Wir müssen diese Rekurse im Einzelfall anschauen», so Fässler. Die Polizei sei bereits daran, einzelne Verfügungen zurückzunehmen. Fässler wendet aber ein:

«Es ist eine Massnahme, die unser Polizeigesetz explizit für solche Situationen vorsieht.»

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