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Kampfwahl um Bellinzonas Stadtpräsidium

Wer wird Stadtpräsident von Bellinzona? FDP-Stadtrat Simone Gianini fordert SP-Stadtpräsidenten Mario Branda in einem zweiten Wahlgang heraus. Der Entscheid fällt am 16. Mai.

Gerhard Lob, Bellinzona
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Seit 2012 Stadtpräsident von Bellinzona, nun wird er herausgefordert: Mario Branda.

Seit 2012 Stadtpräsident von Bellinzona, nun wird er herausgefordert: Mario Branda.

Keystone

Spannung in der Tessiner Kantonshauptstadt Bellinzona. Die lokale FDP hat sich am Donnerstag aufgrund des Ergebnisses der Gemeindewahlen vom Wochenende für einen zweiten Wahlgang entschieden. Die Freisinnigen wollen das Stadtpräsidium erobern. Der bisherige Stadtpräsident Mario Branda (SP) hat bei den Gemeindewahlen zwar die meisten Stimmen gemacht (9831), lag aber nur 67 Stimmen vor dem als Stadtrat wiedergewählten FDP-Spitzenkandidat Simone Gianini (9764).

Die geringe Stimmendifferenz macht der FDP Hoffnung, das Stadtpräsidium wieder erreichen zu können. Dazu kommt, dass die FDP bei den Listenstimmen wesentlich besser abschnitt als die Linke. Die FDP machte drei Sitze im Stadtrat, die «Vereinigte Linke», der Branda angehört, nur deren zwei. Allerdings ist SP-Mann Mario Branda äusserst beliebt, auch ausserhalb des eigenen Wählerkreises. Dies zeigten die vielen persönlichen Stimmen, die er am vergangenen Wochenende sammeln konnte.

«Super-Mario» ohne Klassenkampfvokabular

Branda ist mittlerweile seit 2012 Stadtpräsident von Bellinzona. Damals gelang ihm dieses Husarenstück, als erstem und bisher einzigen Sozialdemokraten in einer grösseren Tessiner Stadt. 2017, bei den ersten Wahlen im Gross-Bellinzona, einer Fusion von 13 Gemeinden im Bezirk, wurde er bestätigt. Die Stimmenlokomotive trägt bei der SP den Übernahmen «Super-Mario.»

Dass Mario Branda in einer traditionell freisinnig dominierten Stadt reüssieren konnte, hängt mit seinem ausgeglichenen Charakter und sympathischen Auftreten zusammen. Der 61-jährige verheiratete, aber kinderlose Jurist, ist pragmatisch und nicht dogmatisch – ein moderater Sozialdemokrat. Im Eisenbahner- und Verwaltungsstädtchen Bellinzona kommt das an. Klassenkampfvokabular ist ihm fremd. «Ich bekämpfe nicht die Reichen, sondern ich bekämpfe die Armut», zitierte er einst als seinen Leitspruch den bekannten schwedischen Sozialdemokraten Olof Palme.

Keine einfache Aufgabe für den Herausforderer

Dem zweiten Wahlgang schaut Branda entspannt und mit sportlichem Geist entgegen, wie er dieser Tage bereits sagte. Für seinen Herausforderer Simone Gianini (45) wird es jedenfalls nicht einfach werden.

Im Tessin dominieren FDP-Politiker bei den Stadtpräsidenten in den grösseren Gemeinden: Chiasso, Mendrisio und Locarno haben einen Sindaco «liberale-radicale». Eine Ausnahme ist nicht nur Bellinzona wegen Mario Branda, sondern auch Lugano, wo die Lega dei Ticinesi dominiert und seit 2013 Marco Borradori als Stadtpräsident amtet.

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