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Presserat rügt Ringier und zeigt sich besorgt wegen Native Advertising

Der Presserat hat Ringier gerügt, weil der Verlag Werbung nicht klar genug vom redaktionellen Teil trennte. Auch zeigt er sich beunruhigt über die Entwicklung von Native Advertising.

André Bissegger
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Der Presserat rügt Ringier, da ein Beitrag auf Blick.ch nicht genug als Werbung gekennzeichnet worden ist.

Der Presserat rügt Ringier, da ein Beitrag auf Blick.ch nicht genug als Werbung gekennzeichnet worden ist.

Keystone

Das Onlineportal Blick.ch veröffentlichte Anfang Januar im Vorfeld zur Abstimmung über die E-ID einen Bericht unter dem Titel «Darum brauchen wir eine elektronische Identität» – bezahlt von Digitalswitzerland. Für diesen Artikel wurde Ringier nun vom Presserat wegen mangelnder Kennzeichnung als Werbung gerügt. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht hervor. Dies falle bei politischer Werbung vor einer Abstimmung besonders ins Gewicht. Beschwerde erhoben hatte der Verein Digitale Gesellschaft.

Dem Presserat genügt die Kennzeichnung «in Kooperation mit ...» nicht, «da der Artikel ansonsten im Blick-üblichen Layout erscheint und die kleine Kennzeichnung in der Autorenzeile durchaus überlesbar ist», schreibt der Presserat. Somit hebe sich der Beitrag nicht vom redaktionellen Teil ab und sei auch nicht klar als Werbung deklariert. Auch die Schweizer Illustrierte (SI) veröffentlichte den Beitrag online und postete den Link auf Facebook mit der Kennzeichnung «Gesponsert».

Kritische Reaktionen auf Beitrag

Diese Beiträge lösten gemäss Presserat kritische Reaktionen in den Sozialen Medien und später auch in Online-Publikationen aus. Schliesslich aktualisierte Blick.ch den Beitrag drei Tage später und erklärte in einer zusätzlichen Textbox, dass unter der Kennzeichnung «in Kooperation mit» ein Inhalt verstanden werde, der im Auftrag eines Kunden erstellt und von diesem bezahlt worden sei.

Weitere acht Tage später passte Blick.ch den Beitrag erneut an und fügte zu Beginn des Textes den Satz «Bei diesem Inhalt handelt es sich um politische Werbung» ein. Auch wurde die Autorenzeile aktualisiert und hiess neu «Das ist ein bezahlter Beitrag, präsentiert von Digitalswitzerland». Auch der Facebook-Post wurde neu mit «Bezahlte Werbepartnerschaft» gekennzeichnet.

Wie es der Presserat als richtig erachten würde

Diese dritte und finale Version des Artikels taxiere der Presserat als beispielhaft, heisst es weiter. Der eindeutige Satz gepaart mit der Autorenzeile schaffe die nötige Transparenz an richtiger Stelle.

Der Presserat zeigt sich in seiner am Freitag publizierten Stellungnahme zudem «einmal mehr» beunruhigt über die Entwicklung und Verbreitung des Native Advertising. Zwar versteht er, dass die Zeitungsverlage wirtschaftlich unter Druck stehen. Das Verfassen von kommerziellen Beiträgen im Gewand eines redaktionellen Artikels leiste dem Journalismus und den Verlagen jedoch einen Bärendienst.

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