Zürcher Kunstgesellschaft
Gegenwind für Philipp Hildebrand: Auch Cristina Bechtler will das Präsidium

Ums Präsidium der Zürcher Kunstgesellschaft entbrennt erneut ein Zweikampf: Neben Philipp Hildebrand kandidiert nun auch Cristina Bechtler für die Spitze des Trägervereins des Kunsthaus Zürich.

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Will wie Philipp Hildebrand ebenfalls Präsidentin der Zürcher Kunstgesellschaft werden: Cristina Bechtler, Verlegerin, Kuratorin und Kunstsammlerin.

Will wie Philipp Hildebrand ebenfalls Präsidentin der Zürcher Kunstgesellschaft werden: Cristina Bechtler, Verlegerin, Kuratorin und Kunstsammlerin.

Bilder: Maurice Haas / Keystone, Montage: CHM

Offiziell schien die Sache bereits gegessen zu sein: Der Vorstand der Zürcher Kunstgesellschaft schlug mit Philipp Hildebrand, dem ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank, nur einen offiziellen Kandidaten zur Wahl für das Präsidium vor. Der Trägerverein bestimmt die Geschicke des Kunsthaus Zürich, das grösste Kunstmuseum des Landes.

Philipp Hildebrand wurde vom Vorstand als offizieller Kandidat fürs Präsidium der Zürcher Kunstgesellschaft vorgeschlagen.

Philipp Hildebrand wurde vom Vorstand als offizieller Kandidat fürs Präsidium der Zürcher Kunstgesellschaft vorgeschlagen.

Keystone

Doch nun kommt Bewegung in die Angelegenheit. Die Verlegerin, Kuratorin und Sammlerin Cristina Bechtler will ebenfalls für das Amt kandidieren, wie sie am Donnerstag in der «Republik» bekannt gab. «Ich werde mich vor der General­versammlung der Kunst­gesellschaft am 30. Mai um das Präsidentinnen-Amt bewerben», sagte sie. Ihre Kandidatur habe sie bereits im Februar beim Vorstand der Kunstgesellschaft deponiert. Allerdings entschied sich der Berufungsausschuss für Hildebrand, der danach zum offiziellen Kandidaten gekürt wurde.

Nicht offizielle Kandidatin: Cristina Bechtler will den Mitgliedern der Kunstgesellschaft eine Auswahl bieten.

Nicht offizielle Kandidatin: Cristina Bechtler will den Mitgliedern der Kunstgesellschaft eine Auswahl bieten.

Maurice Haas

«Dieses Vorgehen ist absolut legitim», sagte Bechtler. Zuerst wollte sie diese Entscheidung akzeptieren und sich zurückziehen. Doch dann entschied sie sich anders. Denn einerseits fand sie es «irritierend», dass der Eindruck entstand, dass neben Hildebrand keine anderen Kandidaten zur Verfügung standen. Andererseits wollte sie den Mitgliedern der Kunstgesellschaft eine Entscheidungsmöglichkeit bieten. Konkurrent Philipp Hildebrand sei bislang nicht als kulturaffine Persönlichkeit aufgefallen. «Umso wichtiger erscheint es mir, dass auch eine alternative Kandidatin zur Wahl steht.»

«Aufbruch und Neustart»

Dass ihr Mann Thomas Bechtler von 1987 bis 2002 Präsident der Kunstgesellschaft war, sieht sie nicht als Problem. «Ich fände es offen gesagt etwas sexistisch, wenn man Bedenken gegen mich hätte nicht aufgrund meines Leistungs­ausweises, sondern aufgrund meines Ehemannes», sagte sie. Es sei vielmehr so, dass die Leidenschaft für Kunst etwas sei, was sie und ihren Mann verbinde. «Aber wir sind unabhängig voneinander aktiv.»

Man könne nicht davon reden, dass sie sich gegenseitig den Staffelstab übergeben. «Sehr im Gegenteil: Mein Präsidium wäre ein Aufbruch und ein Neustart.» Sie sei der Überzeugung, dass die Kunst­gesellschaft heute einen Kultur­wechsel und einen Neustart braucht. «Dazu möchte ich beitragen», sagte Bechtler.

Letzte Präsidentin verstarb nach wenigen Monaten im Amt

Sie habe seit langen Jahren eine sehr enge Bindung ans Kunsthaus. «Ich stand und stehe der Zürcher Kunstgesellschaft immer loyal gegenüber, ich habe mich für dieses Haus, das mir sehr viel bedeutet, stets nach Kräften engagiert», sagte Bechtler. Deshalb habe sie schon lange mit dem Gedanken gespielt, die Arbeit der verstorbenen Kunstgesellschaftpräsidentin Anne Keller fortzuführen und sich für das Amt zu bewerben.

Keller war im September nach nur wenigen Monaten im Amt 65-jährig einem agressiven Krebsleiden erlegen. Sie war vor Jahresfrist als erste Frau an die Vereinsspitze gewählt worden. Der damalige Sprengkandidat, Florian Schmidt-Gabain, erzielte einen Achtungserfolg. Walter Kielholz, der den Trägerverein des Kunsthaus Zürich 19 Jahre lang präsidiert hatte, trat Ende Juni 2021 zurück. Mit Keller übernahm damals seine Wunschkandidatin. Seit dem Tod Kellers leitete ihr Vize, Conrad M. Ulrich, die Geschickte der Trägerin des Kunsthaus Zürich.

Umstrittene Sammlung im Kunsthaus sorgt für negative Schlagzeilen

Das Kunsthaus sorgte in den vergangenen Monaten für negative Schlagzeilen. Grund dafür war die umstrittene Sammlung E. G. Bührle im neu eröffneten Kunsthaus-Erweiterungsbau. Der Vorwurf lautet, die Herkunft der Bilder aus dem Besitz des Waffenfabrikanten nur ungenügend abgeklärt zu haben.

Inzwischen hat sich auch der Bundesrat in dieser Frage positioniert. Er sieht Handlungsbedarf bei der Provenienzforschung, wie er in der am Donnerstag publizierten Antwort auf einen Vorstoss schreibt. (abi/sat)

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